Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Archive for 'Blog'

Elizabeth Gaskell (1810 - 1865): On her birthday we look at her novel North and South' and the BBC film adaption: Pastor's daughter Margaret Hale and mill owner John Thornton. Actors: Daniela Denby-Ashe and Richard Armitage.

Heute ist Geburtstag der englischen Autorin Elizabeth Gaskell (1810 -1865), die Freundin und Biografin von Charlotte Brontë war, und selber bemerkenswerte Romane schrieb, die heute noch gelesen und verfilmt werden. Gemäß den enthusiastischen Rezensionen bei Amazon.de sind die BBC-Verfilmungen von Gaskells Cranford und Wives & Daughters auch in Deutschland ein Erfolg, wobei die Verfilmung ihres epischen Industrieromans North und South am beliebtesten zu sein scheint. In der Tat wird hier Sozialgeschichte zu Zeiten der industriellen Revolution auf faszinierende Weise mit einer Liebesgeschichte verbunden. Genauer gesagt, ist es die langsame und zaghafte Entwicklung einer Liebe die, ähnlich wie bei Darcy und Elizabeth in Jane Austens Stolz und Vorurteil, anfangs völlig zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Bei Gaskell trifft die sozial engagierte 19-jährige Pfarrerstochter Margaret Hale auf den etwa 30-jährigen John Thornton, der anfangs als knallharter Besitzer und Manager einer Textilfabrik gezeigt wird. Eine weitere Hauptfigur ist der weitgehend als sympathisch und solide dargestellte Arbeiter und Gewerkschaftsführer Nicholas Higgins. Aber Gaskell vermeidet ideologisch geprägte schwarz-weiß Darstellungen, eher versucht sie, die komplexen Situationen und bitteren Konflikte zu verstehen: Ein Kapitel des Romans heißt What is a Strike? Ein Wort das zu industriellen und gewerkschaftlichen Gründerzeiten vermutlich nicht jedem von Gaskells Lesern ein Begriff war. Der Romantitel North and South bezieht sich darauf dass Pfarrerstochter Margaret mit ihrer Familie, unfreiwillig und arbeitsbedingt, aus dem beschaulichen, ländlichen Süden Englands, in den rauen industriellen Norden gekommen ist. Dort lernt sie die scheinbar unvereinbaren Welten der Arbeiter und Bosse kennen und versucht mit ihrem persönlichen Einsatz die heraneilenden Desaster abzuwenden. Der Gewerkschafter Higgins organisiert einen Streik und der Mühlenbesitzer holt noch billigere Arbeiter aus Irland, und das schafft Hass: Steine fliegen…Soldaten kommen. Heutzutage mag es um andere Dinge gehen als damals, aber in einigen Kernthemen ist der Roman nicht völlig unaktuell. North & South ist einer der Romane bei denen es übrigens keine schlechte Idee ist,sie zuerst als Film kennenzulernen, denn es ist hilfreich, ein Bild von einer Epoche und von Handlungsorten zu bekommen. Heute wissen relativ wenige Leute wie es vor 150 Jahren in einer Textilfabrik aussah, davon kriegt man vielleicht ansatzweise eine Vorstellung in fachbezogenen Museen. Aber die aufwendige BBC-Verfilmung schafft es, mit Hunderten von Darstellern, laufenden Webmaschinen und einem Himmel der vor lauter Wollfragmenten aussieht als ob es schneien würde, diese Zeiten zum Leben zu erwecken. Als Drehort diente mitunter das nordenglische Helmshore Textile Museum, das für Besucher geöffnet ist, und die echten alten Textilfabrikgebäude von Dalton Mills in der Stadt Keighley die – hier wieder eine Verbindung  zu Gaskells berühmter Freundin - nur drei Kilometer entfernt von Haworth ist, wo Charlotte Brontë und ihre Schwester lebten. 
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Far from the Madding Crowd (1874) may be our favourite Thomas Hardy novel. One with light at the end of the tunnel. One that got away. The 1998 ITV film was good, and so is the new BBC radio play. Ready for some flute playing? Link below

Ein brandneues Hörspiel nach Thomas Hardy ist online. Link ist unten auf der Info-Leiste. Die Romanvorlage Far from the Madding Crowd (1874) wurde auf Deutsch als Am Grünen Rand der Welt veröffentlicht und ist, anhand der Berwertungen bei Amazon.de, Thomas Hardys am besten bekannter Roman in Deutschland, außer Tess. Was nicht überrascht, denn es gibt zwei deutsch synchronisierte Filmfassungen von Tess, während die beiden Far from the Madding Crowd Verfilmungen nur auf Englisch erhältlich sind. Schade, denn vor allem der ITV-Fernsehfilm aus dem Jahr 1998 wäre unserer Meinung nach ein Erfolg im deutschen Fernsehen. Wir besitzen auch die Kinoverfilmung mit Julie Christie und Alan Bates, die merkwürdigerweise in Deutschland als Die Herrin von Thornhill (1967) veröffentlicht wurde, uns aber nicht ganz so gut gefállt wie die neuere Version. Wir mögen eigentlich alles von Thomas Hardy,  auch seine Gedichte und Kurzgeschichten und natürlich den Romanklassiker Tess (1891), aber in vieler Hinsicht ist Am Grünen Rand der Welt unser Lieblingsroman. Vielleicht weil man hier, nach allen üblichen Schicksalsschlägen die Leute in Hardy-Romanen durchmachen müssen, Licht am Ende des Tunnels sieht. Der Schafhirte Gabriel Oak der zu Beginn der Geschichte 28 Jahre alt ist, schlägt sich immer irgendwie durch, selbst wenn alles den Bach runtergeht, und kriegt am Ende sogar seine Traumfrau. Auch wenn Hardy es dem Burschen auf dem Weg dahin nicht einfach macht. Interessant an Thomas Hardy ist, wie er folkroristische Elemente einsetzt, so kommen dem Roman Ausschnitte von Volksliedern vor, wie Seeds of Love, am Esstisch der Schäfer gesungen. Hier eine Version die Loreena McKennitt von diesem alten englischen Folksong aufgenommen hat, auf YouTube.

‘I sowed the seeds of Love, It was all in the spring…’ Far from the Madding Crowd (1874) Kapitel 23. Eventide - A Second Declaration.

Thomas Hardys Geschichte ist auch voll mit Details über Landleben und Landwirtschaft, in diesem Fall Schafzucht. Wir haben, zum Aufwärmen für diesen Blogpost, mal wieder in den Roman geschaut, den wir als englische Ausgabe von Penguin Classics besitzen, und die ersten vier der recht kurzen Kapitel gekesen. Allein schon auf diesen ca. dreißig Seiten erfährt man eine ganze Menge über das Schäferleben im 19. Jahrhundert. Wie sie nahe ihrer Herde auf den Feldern in winzigen Wohnwagen, genannt Sheperd’s Hut wohnten, und was für Heilmittel die Schäfer im Regal hatten, Magnesium zum Beispiel. Oder über den Nutzen von hurdles, tragbare Zäune, die man als Schafscheide zum Grasen aufbauen kann, oder auch vereinzelt an kalten Stellen, als Windschutz für die Tiere. Auf den ersten 30 Seiten lernt man auch,
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We Andalusians tried for a sandy, kind of Jersey shore pic. It's Springsteen's birthday and a good time to look at The Making of Born To Run. Also, to remember Clarence Clemons (1942 - 2011), pictured with Bruce on one of the best albums ever

Wir wollten an Bruce Springsteens Geburtstag ein gutes Doku über die Entstehung des Albumklassikers Born To Run (1975) erwähnen. Man kann den ca. 90 min. Dokumentarfilm, der Interviews mit Springsteen und Mitgliedern seiner E Street Band enthält, auf YouTube auschecken, Link folgt gleich, oder als Teil eines guten 3-Disc Boxsets kaufen den Sie auf unserem Foto sehen, Details dazu folgen ebenfalls. Im Doku erzählt Springsteen, übrigens einer der wenigen Stars dieses Kalibers die noch ziemlich natürlich und entspannt rüberkommen, wie er mit 24 Jahren in der West Long Branch Gegend von New Jersey lebte, unweit von der Stadt Asbury Park, die Springsteen auf dem Titel seines Debutalbums verewigte. In Asbury war Freitag- und Samstag-Abends damals viel los, dort war der Stone Pony Club wo Springsteen auftrat, und die Strandpromenade zwischen Kingsley Street und Ocean Avenue, die für junge Leute damals eine Art unoffizielle Rennbahn war und The Circuit genannt wurde. Im Sommer 1974 hatte sich auch Springsteen sein erstes Auto gekauft, einen ’57 Chevy für 2000 Dollar. Als er eines Abends zuhause auf dem Rand von seinem Bett saß und mit der Gitarre an Ideen für Lieder arbeitete, kamen ihm die Worte Born to Run in den Sinn. Springsteen dachte zuerst, es wäre der Name eines Films, oder ein Slogan den er auf einem der improvisierten Rennwagen auf dem Circuit gesehen hatte. Ihm gefiel der Satz denn er fand, er suggerierte ein cinematisches Drama das gut zu der Musik passte die er im Kopf hatte. Dass einige Springsteen-Lieder eine vage Verbindung zu Filmen haben, wird im Doku dadurch angedeutet dass kurze Ausschnitte oder Plakate von Filmen wie Two-Lane Blacktop (1971) mit dem Musiker James Taylor, und dem noir Thriller Night and the City (1950) mit Richard Widmark gezeigt werden. Auch Thunder Road (1958) mit Robert Mitchum, ein Film der zumindest seinen Titel mit einem starken Lied auf Born to Run teilt. Springsteen stand damals, nach zwei kommerziell nur mässig erfolgreichen Alben unter dem Druck der ewigen Plattenfirmen-Regel dass Musiker drei Versuche kriegen und dann fallen gelassen werden wenn es nicht funkt, Er stand in mehrerer Hinsicht an einem Scheideweg. Inhaltlich handelt Born to Run vom Übergang zwischen Jugend und Erwachsen werden. Springsteen sagt, Born to Run, das Lied und das gleichnamige Album, fühlt sich für ihn an als ob all die verschiedenen Orte und Geschichten das Porträt einer endlos langen Sommernacht sind. Er sagt, auf dem Album spiegelt sich viel von seinem damaligen Leben: die Figuren in den Liedern versuchen freizubrechen, einen neuen Weg, einen neuen Platz zu finden. Springsteen fährt im Doku bei dem Haus in West Long Branch vorbei wo er damals sämtliche Lieder für Born to Run schrieb, es war das erste Haus in dem allein und unabhängig gelebt hatte, und es war eine spannende Zeit für ihn. Er schrieb den Großteil der Lieder auf einem Piano das am Fenster des Hauses stand. Springsteen sagt, dass man auf dem Piano auf andere musikalische Ideen kommt als auf der Gitarre, und das prägte den Klang des Albums. Er veranschaulicht das indem er einige Lieder-Passagen spielt, wobei uns auffiel, dass der Boss ziemlich gut und flüssig Piano spielen kann. Springsteen erzählt dass er sehr viel Zeit für die Texte aufwendete und zeigt ein Notizbuch in dem aus vielleicht fünfzig Seiten im Endeffekt ein paar Zeilen eines fertigen Liedes herauskamen. Er schrieb viel und redaktierte später alles was er als klischeehaft empand, bis er bei etwas ankam das sich für ihn wie eine emotionale Realität anfühlte. Wir persönlich zögern, das Lied Born to Run Wort für Wort übersetzen. Schon das Wort run im Titel ist mehrdeutig, kann laufen oder flüchten oder alles mögliche andere bedeuten. Born to Run enthält Umgangssprache und impressionistische Sátze wie ‘last chance power drive‘, denen es schwer ist im Deutschen gerecht zu werden. Wir werden stattdessen lieber auszugsweise einige Passagen des Lieds frei nacherzählen.

Wendy, lass mich rein, ich will dein Freund sein / Ich will deine Träume und Visionen beschützen…Zusammen können wir aus dieser Falle entkommen / laufen bis wir umfallen, nie mehr zurückgehen…Jenseits des Palastes fahren kreischende Wagen die Straße hinunter / Mädchen kämen sich ihre Haare im Rückspiegel, und Jungs versuchen hart auszusehen / Vor uns liegt der laute Vergnügungspark, und am Strand sitzen Jugendliche eng zusammen im Nebel…Heute Nacht ist jeder auf der Flucht, aber man kann sich nirgendwo mehr verstecken / Zusammen, Wendy, können wir mit dieser Traurigkeit leben / Ich werde dich mit dem ganzen Wahnsinn in meiner Seele lieben / und eines Tages, ich weiß nicht wann, erreichen wir diesen Platz wo wir wirklich sein wollen / Gehen zusammen im Sonnenlicht / Aber bis dann sind Vagabunden wie wir dazu geboren, unterwegs zu sein.

Born to Run: The 30th Anniversary 3-Disc Set is good. We put the label with all the details back on the box so they can be checked out. Photo above doesn't show the booklet in the set

Springsteens Lyrics, Melodien und Akkordstrukturen für Born to Run waren allerdings nur der Anfang: Allein das Titellied sollte etwa 6 Monate an Aufnahmezeit in Anspruch nehmen. Im Doku sind frühe Studioaufnahmen, nur mit Schlagzeug, Bass und akustischen Gitarren zu hören. Springsteen war von dem dichten, hallenhaften Klang von Pop-Hits der 60er Jahre, im Stil von Phil Spector beeinflusst und nahm vielschichtige Tonspuren, mit z. B. vier Akustikgitarren gleichzeitig auf. Aber auch bei den Aufnahmen fand ein ähnlicher Editing-Prozess wie bei den Lyrics statt: Im Doku hört man verworfene Born to Run Versionen mit Streichern und weiblichen Hintergrundgesang, wodurch das Lied zu weich, vielleicht sogar etwas schnulzig hätte werden können. Andere ungewöhnliche Instrumentierungen, wie das markante Glockenspiel, blieben jedoch im Lied. Die vielen Tonspuren, die verschiedenen Versionen und Springsteens perfektionistische Art, Sachen immer wieder neuaufzunehmen, waren für die Band und Studiocrew nicht leicht. Dies war zu Zeiten vor computergesteuerten Mischpulten, damals wurde jeder Mix manuell, mit sechs oder acht Händen an den Schiebereglern aufs Tonband übertragen, und jeder Fehler bedeutete dass man ganz von vorne anfangen musste. Springsteen und seine E Street Band waren schließlich am Ende ihrer Nerven, sie hatten das Gefühl,
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Asian cars like Kia have made inroads here, but you still don't have to look far for an Audi on the Costa del Sol. Curiously, a Brit came up with the 'Vorsprung durch Technik' ad campaign. See interview link below. We'd still prefer a Morris Traveller

Wir sind nicht so verrückt auf Sportwagen, denn wenn man Kinder hat, braucht man etwas mit vielen Sitzen und Platz für Fahrräder im Heck, aber der Audi TT Quattro links im Bild, den wir heute morgen kurzerhand für diesen Artikel knipsten, ist allein schon vom Aussehen her ein gutes Model. Design-Note Eins. Und wenn wir das Auto, wider Erwarten jemals fahren sollten, wird unsere Note für die Technik vermutllich auch gut ausfallen. Apropos Technik: Die berühmte Audi Werbekampagne Vorsprung durch Technik wurde vor 30 Jahren von einem Engländer entwickelt. Es gibt dazu ein interessantes Video-Interview beim Guardian, das wir unten auf der Info-Leiste verlinken. Wenn Sie möchten, können Sie vorher kurz unsere Zusammenfassung lesen. Sir John Hegarty, ein Mitgründer der britischen BBH Werbeagentur, sagt dass ein Aspekt den sie als wichtige Thematik bei Audi empfanden  - was im Rückblick völlig offensichtlich erscheint, aber eins von den Dingen ist die erst offensichtlich werden wenn man darauf kommt – war dass es absolut klar sein sollte dass Audi ein deutsches Auto mit deutscher Technik ist. Audi hatte damals noch nicht so einen Bekanntheitsgrad in England wie heute. Hegarty erzählt dass er bei neuen Werbekampagnen zuerst an die Produktionsstätten geht und sich die Fabriken und sogar die Büros ansieht. Dort sah er ein älteres, leicht vergilbtes Poster mit dem Satz Vorsprung durch Technik an einer Wand. Dies war in der Tat eine alter Werbespruch von Audi gewesen, wurde aber nicht mehr benutzt. Als Hegartys Team später zwei Werbespots gedreht hatte – die übrigens im Interview zu sehen sind  - überlegten sie wie man die verschiedenen Themen der Spots unter einem Slogan vereinen könnte. Dabei kam ihm der Spruch vom
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For a new BBC drama series called The Paradise, based on a novel by Zola and set in the world of department stores in the 19th century, the story has been moved to Northern England

Der Erfolg einer britischen TV-Serie wie Downton Abbey, die auch in Deutschland ein Hit auf Pay-TV und ein Verkaufsschlager auf DVD bei Amazon ist, deutet darauf hin dass sich viele Leute dafür interessieren wie man vor mehr oder weniger hundert Jahren lebte. Wir finden Downton gut, wobei die ganze Story natürlich von einem heutigen Autor geschrieben wurde, und wir bevorzugen Stoffe die – wenn sie z. B. um die Jahrhundertwende spielen – auch von Autoren stammen die um die Jahrhundertwende lebten. Warum? Weil der Stoff dann, neben guter Unterhaltung, auch ein Zeitdokument ist, und man vielleicht die Sicht und die Denkweise von Menschen einer Epoche besser verstehen kann. So die Theorie jedenfalls. Insofern klingt eine demnächst startende BBC-Dramaserie namens The Paradise recht interessant, denn sie beruht auf einem Roman des französischen Schriftstellers Émile Zola (1840 -1902). Für die neue TV-Serie wurde Zolas Roman Das Paradies der Damen (1883) allerdings von Paris nach England versetzt. Wobei Kritiker unserer Zeitdokument-Theorie sogleich und zu recht argumentieren können dass moderne Verfilmungen sowieso immer viel mehr über unsere heutigen Sichtweisen sagen, als über die von vergangenen Zeiten. Touché. Die BBC-Serie spielt, wie wir lasen, ‘in einer Stadt in Nordostengland’, was uns neugierig machte: Die Thematik von der Entstehung der Warenhauskultur im 19. Jahrhundert deutet für uns darauf hin das es sich dabei um Newcastle handelt, denn hier entstand tatsächlich das angeblich erste Warenhaus der Welt, auf Englisch department store genannt. Das Geschäft hieß damals Bainbridge’s, oben ein altes Foto, wurde 1838 gegründet und wurde später ein Teil der Kette die heute John Lewis ist. Der Begriff Department Store bezieht sich darauf dass Waren in Gruppen gegliedert werden, und bei dem ersten Laden dieser Art, der von dem damals 21-jährigen
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It's the birthday of the songwriter Hank Williams (1923 -1953), pictured with his Martin D-28 guitar. When the day comes, we'll want to join his backing band The Drifting Cowboys. Though there may be a queue. Until then we got his songs

Es ist der Geburtstag von Hank Williams (1923 – 1953) dessen Lieder von Leuten wie Nick Cave, Beck, Tom Petty, Dylan, Emmylou Harris, Johnny Cash and Keith Richards gecovered wurden. Nicht zu vergessen, unsere Lieblingsband Grateful Dead, hier ihre Version von You Win Again auf YouTube, und das Original von Hank Williams aus dem Jahr 1952. Wundervoll, hier übertrumpft der Mann mit dem Anzug und dem Cowboyhut vielleicht sogar die beste Hippieband der Welt. Hank Williams hat eine Menge guter Lieder geschrieben, und zum Kennenlernen empfehlen wir den starken 3-CD Box-Set den wir  selber besitzen, siehe links im Bild, und den es bei Amazon.de für ca. 14 Euro gibt. Oder noch viel billiger als Download. Anders als viele moderne Country Stars, die heute oftmals ähnlich wie Popsänger von einer ganzen Armee von Produzenten, Komponisten und Marketing-Beratern in die Charts befördert werden, war Hank Williams ein Mann der seine eigene Musik, seine eigenen Lieder, seinen eigenen Stil und seine ureigene Persönlichkeit hatte. Es ist erstaunlich, wie dieser Mann, der aus sehr einfachen, armen Verhältnissen stammte, es schaffte in seinem kurzen Leben von 29 Jahren so viele Lieder zu hinterlassen. Vielleicht haben Menschen denen nur kurze Zeit auf Erden vergönnt ist, eine tiefe unterbewusste Ahnung davon dass sie sich beeilen müssen. Wer weiß. Jedenfalls werden wir heute mit obiger CD-Kompilation, die das Werk von Hank Williams chronologisch von 1946 bis 1952 dokumentiert, seinen Geburtstag feiern. Schon mal die Lieder lernen. Denn eines Tages werden wir uns für einen Job in seiner Backing Band The Drifting Cowboys bewerben.

Weitere Infos Obiger Box-Set Hank Williams The Anthology enthält 3 CDs mit 75 Liedern, jedoch nicht obiges schwarzweiß Foto das Hank mit seiner Martin D-28 Gitarre zeigt. So weit wir wissen, befindet sich die Gitarre im Museum der Country Music Hall of Fame.

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Mehr von uns über Hank Williams  Ein neuer, längerer  Artikel mit Infos über einen biografischen Spielfilm und die Verbindung von Bob Dylan und Neil Young zu Hank Williams – plus mehr über Hanks Gitarren

Note  Above box-set contains 3 CDs with 75 songs in chronological order, but not the black-and-white photo with the guitar – we added that. The original, we think, is in the Country Music Hall of Fame in Nashville.

 

Henry Purcell's opera Dido and Aeneas is introduced on BBC radio. Link below. Painting (excerpt) shows a meeting between Dido, the Queen of Carthage and Aeneas, a Trojan Prince.

Auf BBC-Radio wird in einem einstündigen Programm die Oper Dido und Aeneas vorgestellt. Link folgt gleich unten auf der Info-Leiste. Da diese Oper von Henry Purcell nur etwa eine Stunde lang ist, wird in der Sendung viel davon gespielt, und dazwischen gibt es Erläuterungen zur Handlung. Dies ist ein Werk das mit seinen zarten, streckenweise fast folkigen Klängen von Instrumenten wie Baroque Guitar und Archlute, auch Leuten gefallen könnte, die Opern ansonsten etwas zu bombastisch finden. Die Handlung beruht auf dem 2000 Jahre alten Epos Aeneis von dem römischen Dichter Vergil. In der Oper geht es um die mythische karthagische bzw. phönizische Prinzessin Elissa, die von den Römern Dido genannt wurde, und auf Englisch wie deido ausgesprochen wird. Aeneas ist ein legendärer trojanischer Held aus dem Gründungsmythos Roms. Nach der Zerstörung Trojas, soll Aeneas nach Italien segeln um dort ein neues Reich zu gründen. Bei einem Sturm gerät er jedoch nach Karthago, lernt Prinzessin Dido kennen, verliebt sich in sie und will in Karthago bleiben. Aber eine böse Zauberin und ihr Hort von Hexen will das verhindern und schickt einen verkleideten Geist der sich als Gott Merkur ausgibt und Aeneas drängt, seinen Job in Italien auszuführen. Aeneas willigt ein, segelt los ohne Dido etwas zu sagen, und die Hexen frohlocken dass dies den Untergang Karthagos herbeiführen wird. Und tatsächlich, als Aeneas zu einem späteren Zeitpunkt zurückkehrt um alles zu erklären, weist ihn die zutiefst verletzte Prinzessin Dido ab und stirbt bald darauf an Trauer oder - wie ihre letzten Worte ’Death is now a welcome guest’ - andeuten, vielleicht auch Selbstmord. Wir besitzen die Oper auf einer empfehlenswerten CD von den St James Singers & Baroque Players, dirigiert von Ivor Bolton aus dem Jahr 1989, die bei Amazon für ca. 13 Euro erhältlich ist. In der Radiosendung werden jedoch mehrere unterschiedliche Versionen vorgestellt, so dass man als Hörer die Unterschiede, zum Beispiel im Tempo, vergleichen kann.

Info Die BBC-Sendung The Early Music Show, in der Purcells Dido & Aeneas vorgestellt wird / Wer die Oper, die auch Tanzszenen enthält, visuell erleben will, kann bei YouTube auch eine schöne Aufführung mit dem belgischen Dirigenten Philippe Pierlot sehen, trotz des Titels Didon et Énée auf Englisch gesungen. Sendung verpasst? Sendungen werden öfters mal wiederholt und wir weisen dann im Blog darauf hin.

 

It's the birthday of crime writer Agatha Christie (1890 - 1976). We looked into her Autobiography (1977), an excellent read

Wir lieben das Krimi-Genre und uns ist völlig egal ob das Feuilleton es für Literatur hält oder nicht, aber wir schátzen, selbst Leser die keine besonderen Krimi-Fans sind, werden die Autobiografie von Agatha Christie, deren Geburtstag heute ist, interessant und überraschend finden. Christie schreibt privat in einem ganz anderen Stil als man es aus ihren Krimis gewohnt ist. Die Autobiografie, links im Bild unsere englische Ausgabe, wirkt sehr offenherzig und persönlich. Ihr Ton ist überhaupt nicht gestelzt oder vorsichtig formuliert sondern sehr direkt, und die Dame hat Meinungen und Kommentare zu erstaunlich vielen Themen außerhalb der Schriftstellerei. Was wohl daran liegt dass sie, im Gegesatzt zu vielen heutigen Autoren, die in einer Medienwelt leben und für eine Medienwelt schreiben, auch jenseits der Schreiberei ein ereignisreiches Leben hatte. Seien es ihre archäologischen Expeditionen im Irak, ihr Interesse an Gartenbau oder ihre Bekanntschaften mit Leuten wie Graham Greene, Rudyard Kipling und Henry James. Agatha hatte in ihrer Kindheit und Jugend gerne Charles Dickens gelesen und später schätzte sie Autorinnen wie Elizabeth Bowen und Muriel Spark. Christie liebte Opernmusik, in der Tat, ihr erster Ehemann machte ihr den Heiratsantrag bei einem Wagner-Konzert im Pavillion ihrer Heimatstadt Torquay. Die an der Südküste Englands gelegene Stadt Torquay und ihre Umgebung ist auch ein guter Tipp um auf den Spuren der Autorin zu wandeln und gleichzeitig einen schönen Urlaub in einer von Englands schönsten und sonnigsten Regionen zu verbringen.

We love the detective genre, but that's just one facet of a very smart, well travelled lady with a whole range of interests

Torquay hat selbst heute noch viel von seinem Belle Époque Stil aus den Zeiten von König Edward II. um die Jahrhundertwende, und es ist natürlich einer der faszinierenden Aspekte von Christies Romanen dass sie in vieler Hinsicht ein vergangenes Zeitalter repräsentieren - seien es frühe Werke wie Das fehlende Glied in der Kette, das Christie schon 1916 begonnen hatte, oder spätere Klassiker aus den 40er, 50er und 60er Jahren. Links im Bild, Fotos der Autobiografie, die Agatha im frühen 20. Jahrhundert zeigen. Im Torquay Museum gibt es eine permanente Agatha Christie Exhibition mit vielen Fotos und Artefakten die eine Verbindung zur Autorin haben. An den Promenaden und auf dem Princess Pier von Torquay ging Agatha als Kind Rollschuh fahren, und am Strand von Beacon Cove wäre sie fast ertrunken. Die heutige Stadthalle von Torquay war im 1. Weltkrieg das Krankenhaus vom Roten Kreuz, wo Agatha als Krankenschwester arbeitete und zum ersten Mal mit Medikamenten und Giften zu tun bekam die sie später in Mordfällen ihrer Romane einbaute. Sehenswürdigkeiten wie die Höhlen von Torquays Kents Cavern bekamen Rollen in Krimis wie Der Mann im braunen Anzug, in Torquays Grand Hotel verbrachte Agatha ihre Flitterwochen.
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'I saw a hamlet and a spire': Das Dorf Hathersage wurde 1845 von Charlotte Brontë besucht und hat Verbindungen mit dem Roman Jane Eyre, in dem das Dorf Morton genannt wird.

Im Roman schrieb sie: ‘Ich sah ein kleines Dorf und einen Kirchturm‘. Die Suche nach Orten die Charlotte Brontës Klassiker Jane Eyre inspirierten, führt zum Teil aus dem heimischen Yorkshire der Brontë Schwestern hinaus, in die benachbarte Grafschaft Derbyshire. Spezifisch in das Dorf Hathersage, siehe Foto, das in idyllischer Umgebung nahe der Grenze zu Yorkshire, in einem Tal am Rande eines Moores liegt. Hathersage war Vorbild für das Dorf Morton im Roman. Im Sommer 1845, also etwas über zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Jane Eyre (1847), wurde Charlotte Brontë von ihrer guten Freundin Ellen Nussey eingeladen, nach Hathersage zu kommen, wo Ellens Bruder Henry Nussey eine Stelle als Vikar bekommen hatte. Henry war frisch verheiratet und Ellen wollte zusammen mit Charlotte das neue Haus für die Ankunft der Braut vorbereiten: Möbel auswählen und Haushaltshilfen interviewen. Das verlockende Angebot hatte Charlotte zuerst, anfang Juni 1845, ausschlagen müssen, weil sie ihren fast erblindeten Vater Patrick Brontë nicht allein lassen wollte, aber in der Mitte dieses Monats kamen unerwarteterweise Charlottes Bruder Branwell und ihre Schwester Anne Brontë nach Hause und so ergab sich eine Gelegenheit. Kurioserweise hatte der Bräutigam Henry Nussey 1839, sechs Jahre zuvor, auch Charlotte Brontë einen Heiratsantrag gemacht, den sie jedoch abgelehnt hatte weil sie Henry unromantisch fand. Charlotte hatte Ellen dazu geschrieben:

‘…Es würde ihn konsternieren, mich in meinem natürlichen Element zu sehen. Er würde mich, in der Tat, für eine wilde, romantische Enthusiastin halte. Ich könnte nicht den ganzen Tag mit einem ernsten Gesicht vor meinen Ehemann sitzen. Ich würde lachen, satirisch sein und sagen was immer mir zuerst in den Kopf käme…’

Unerhört. Aber diese alte Geschichte hielt Charlotte nicht davon ab den Mann, dem sie sicher alles Gute wünschte, und ihre Freundin Ellen für zwei Wochen in Hathersage zu besuchen.Es wird von Brontë-Biografen oft vermutet dass die freundliche Ellen, die Charlotte willkommen hieß und ihr das neue Haus zeigte, ein Vorbild für die gutherzige Mrs. Fairfax war, die dem Neuankömmling Jane Eyre im Roman das Haus zeigt dass sie für Mr. Rochesters Ankunft vorbereitet. Aber es gibt viel konkretere Verbindungen zwischen dem Roman und dem Dorf Hathersage: Hier hatte nämlich seit Jahrhunderten eine adelige Familie names Eyre gelebt, und in der Kirche und auf dem Friedhof von Hathersage waren viele Artefakte, zum Beispiel aufwendige Grabsteine, mit diesem Namen zu sehen. Übrigens auch heute noch. Charlotte hörte Geschichten und Legenden über die Familie, und Charlotte und Freundin Ellen besuchten sogar Mitglieder der Eyre-Familie, wie die verwitwete Mrs. May Eyre, die in dem Familiensitz North Lees Hall lebte. Der Landsitz North Lees, ca. zwei Kilometer von Hathersage entfernt, gilt mit seinen Zinnen, seinen drei Stockwerken und seiner ruhigen, von Hügeln umgebenen Lage unter Literaturwissenschaftlern als ein mögliches Vorbild für Edward Rochesters Haus Thornfield Hall in Jane Eyre. Zusätzlich war die frühste Besitzerin von North Lees Hall, angeblich dem Wahnsinn
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David Frost interviews Michael Caine on BBC radio: The actor's life's been shaped by experiences like the Blitz in London, the army, many great movies and his wife Shakira

Radiosendung mit zwei wohlbekannten Briten: Der renommierte Journalist David Frost interviewt den Schauspieler Michael Caine, der vor kurzem in The Dark Knight Rises  (2012) zu sehen war, aber insgesamt in ca. hundert Filmen mitgespielt hat und zweifacher Oscar-Gewinner ist. Michael Caine, der 1933 geboren wurde, gehört zu einer Generation die noch stark vom Krieg geprägt wurde. Er erzählt im Interview von seinen Erinnerungen an die deutsche Bombadierung von London, The Blitz genannt. Sein Vater war weg von Zuhause, im Krieg, und Michael und sein Bruder wurden zeitweise aufs Land nach Norfolk evakuiert oder lebten allein mit ihrer Mutter in London. In der BBC-Sendung werden auch viele Lieder aus Caines Leben und Filmen gespielt und eins davon ist Vera Lynns The White Cliffs of Dover, das sich mit Zeilen wie I’ll never forget the people I met, braving those angry skies, I remember well as the shadows fell, the light of hope in their eyes, auf die Kriegserfahrungen der Engländer bezieht. Als junger Mann, anfang der 50er Jahre wurde Caine Soldat und diente u. a. im Koreakrieg. Er sagt dass die Armee ihn stark prägte, und dass ein Zugehörigkeitsgefühl für ein Land wächst wenn man für das Land gekämpft hat. Als er 20-jährig nach England zurückkam, arbeitete er eine zeitlang in einer Butterfabrik. Dort gab ihm ein alter Mann, der mitbekommen hatte das Caine eigentlich Schauspieler sein wollte, den Tipp dass es dafür die Zeitung The Stage gab. Dadurch fand Caine tatsächlich auch einen Einstieg, wenn auch erstmal viele Jahre lang im Provinztheater. Als er eines Tages beschloss, sein Glück im Londoner-Filmgeschäft zu versuchen, sagte man ihm dass er der Schauspiel-Gewerkschaft Equity beitreten müsse und außerdem einen neuen Name bräuchte: Als Maurice Micklewhite geboren, hatte er sich bis dahin den etwas griffigeren Namen Michael White verpasst, aber den besaß schon ein anderes Gewerkschaftsmitglied. Er stand in einer Telefonzelle als man ihn fragte, welchen anderen Name er wolle, um seinen ersten Job bei der Fernsehserie Dixon of Dock Green zu kriegen? Er befand sich in der Nähe des Kinos Odeon Leicester Square und konnte durch die Bäume das Schild für Die Caine war ihr Schicksal (1954) erkennen, zudem mit Humphrey Bogart, der sein Lieblingsschauspieler war. Also entschied er sich am Telefon kurzerhand für den Namen Caine.

Michael Caine in The Ipcress File (1965) with Sue Lloyd. A good spy thriller with Caine in the iconic role of Harry Palmer

Ein Anfang, aber bis zum echten Erfolg sollten immer noch Jahre vergehen. Erst durch einen glücklichen Zufall bekam er 1964 die Rolle von Lt. Gonville Bromhead in dem Kriegsfilm Zulu. Aber nur weil der erste Kandidat ausfiel, und weil der US-Regisseur Cy Endfield bereit war, einem Schauspieler mit einem ausgeprägten Working Class Hintergrund wie Michael Caine, die Chance zu geben, eine Offiziersrolle zu spielen. Das war damals, in dem immer noch stark vom Klassensystem geprägten England völlig untypisch. Dann funkte es jedoch, und duch die Bekanntheit von Zulu, bekam er wenige Zeit später die Rolle in dem Film der für uns einer der besten Spionage-Thriller aller Zeiten ist. Links eine Szene aus Ipcress – streng geheim (1965), und bei YouTube ein Clip. Die Hauptfigur Harry Palmer, ein ziemlich realistischer Gegenentwurf zu James Bond,  wurde von Caine entscheidend geprägt, wobei er seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen und seinen Cockney-Akzent brilliant in die Rolle einfließen ließ. Die Ipcress-Fortsetzung Finale in Berlin (1966), siehe Clip, verewigt die Stadt mit faszinierenden Aufnahmen einer
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Andalusian guitarist Daniel Casares (b. 1980) is a rising force in Flamenco. He's also absorbed other influences and some of his songs may appeal to fans of Pat Metheny. In the world of classical music he's accompanied Cecilia Bartoli, link below

Der aus Málaga stammende Flamenco-Gitarrist Daniel Casares, Jahrgang 1980, hat mit El Ladrón del Agua (2010) ein Album aufgenommen das wahrscheinlich auch Fans von Gitarristen wie Pat Metheny gefallen wird. Das Album, dessen Titel Der Dieb des Wassers bedeutet, ist schon allein vom Klang her eine sehr ausgefeilte Produktion mit vielen guten Begleit- und Gastmusiker. Besonders gut gefiel uns der gezupfte Kontrabass von Francis Posé der, wenn er in den höheren Registern Solo-Fills spielt, etwas wie Scott LaFaro klingt. Auf einigen Liedern sind also definitiv Jazz-Einflüsse zu hören, während andere Lieder ziemlich traditionell und andalusisch klingen. Unser Lieblingslied ist zur Zeit Callejón de los Tramposos, das hier auf YouTube ausgecheckt werden kann. Daniel Casares wird hier von dem Sänger Junajo Alcántara und der Sängerin Chonchi Heredia begleitet, die sich in einer Art von Zwiegespräch zwischen Mann und Frau, mit Refrain und Vers abwechseln. Der Gesang setzt erst bei 2:10 min. ein, davor spielt Casares seine rasanten Melodien zu einem komplexen, trancehaften Rhythmus aus geklatschten 16-Noten und Perkussion. Der Text, der mit den vom Mann gesungenen Worten ‘Y yo te veo‘ beginnt, bedeutet auf Deutsch, frei von uns übersetzt in etwa: Und ich sehe dich, wie eine Seele die Träume erweckt, sag mir du liebst mich und ich glaube dir. Ich muss ja immer mit den Herzensbrechern spielen. Darauf antwortet die Frau: Wenn ich
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An excerpt of 'The Water-Sprite and Aegir's Daughters' by the Swedish painter Nils Blommér, one of the artists in the Stockholm exhibition 'Light and Darkness' until Feb. 2013

Im schwedischen Nationalmuseum von Stockholm läuft bis Februar 2013 die Ausstellung namens Ljus och mörker, was auf Deutsch Licht und Dunkelheit bedeutet. Unabhángig davon ob man die Möglichkeit hat, dort hinzufahren oder nicht, ist es eine gute Gelegenheit, einen virtuellen Blick auf eins der ca. 70 Bilder zu werfen die zu sehen sind. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf den Versuch von Künstlern im 19. Jahrhundert, die Einwirkung von Licht realistisch darzustellen. Dabei hat sich der schwedische Maler Nils Blommér (1816–1853) der Herausvorderung einer Mondlichtszene gestellt. Sein Bild Der Neck und die Töchter Ägirs (1850) kann nicht einfach zu malen gewesen sein, denn es ist nicht einmal leicht zu fotografieren oder digital zu reproduzieren. Wenn man es künstlich aufhellt, was wir mit unserem sonst fast allmächtigen Picasa versucht haben, wird der Mond unkenntlich, sieht aus wie eine Explosion am Himmel und das Bild verliert seinen Charakter. Wenn man das Bild durch anklicken vergrößert, kann man jedoch etwas besser erkennen was hier vor sich geht: Der Neck, eine Art mythischer Wassergeist, ist von mehreren weiblichen Wesen umgeben und spielt dabei zufrieden seine Harfe. Bei manchen Gemälden meint man dass sie digital fast besser aussehen als in echt, aber Der Neck ist ein Bild das man tatsächlich gerne in seiner Originalgröße von 114 x 147 cm sehen möchte. Der rotschöpfige Wassermann und seine Harfe sind ganz gut zu erkennen, ebenso ein Felsen, wohl mit einem Turm im Hintergrund, aber bei Ägirs Töchtern, von denen es der Legende nach 9 Stück geben soll, wird es schwieriger. Ihr Vater Ägir ist in der skandinavischen Sagenwelt ein Seeriese, eine Art Meeresgott, und verwandt mit dem Windgott Kari und dem Feuergeist Logi. Ägirs Töchter werden heute in der Regel als Repräsentationen von verschiedenen Arten von Wellen, Seegängen und Situationen interpretiert. Die neun Töchter oder Wellen haben sogar eigene Namen, wie Hefring, was anschwellende Welle bedeutet, oder 
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Just our old paperback from Penguin Classics, but there's a new cinema adaption coming up and we found a preview - that may be unofficial - for Great Expectations (2012)

Wir haben noch nicht allzu viele Details über den brandneuen Kinofilm nach Charles Dickens’ Klassiker Große Erwartungen (1861), denn er wird, so weit wir wissen,  erst am 21. Oktober beim BFI London Film Festival vorgestellt. Wir haben allerdings auf YouTube eine (möglicherweise unoffizielle) Vorschau vom australischen Fernsehen gefunden – zudem mit deutschen Untertiteln. Link unten auf der Info-Leiste. Der Spielfilm ist von dem renommierten Regisseur Mike Newell, der u. a. Hits wie Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1993) und Harry Potter und der Feuerkelch (2005) auf die Leinwand brachte. Newells Dickens-Verfilmung hat eine vielversprechende Starbesetzung, mit Ralph Fiennes als Magwitch und Helena Bonham Carter als Miss Havisham. Die Schauspielerin Holliday Grainger, die in der Brontë-Verfilmung Jane Eyre (2011)  Diana Rivers spielte, übernimmt in Great Expectations die Rolle von Estella. Der junge Schauspieler Jeremy Irvine, der vor kurzem duch Spielbergs Gefährten bekannt wurde, spielt Pip und sieht im Trailer verdammt gut. Unser Foto ist natürlich kein offizielles Promotions-Material für den Film, sondern unsere gute, alte Romanausgabe in Originalfassung. Die Ausgaben von Penguin Classics sind übrigens sehr empfehlenswert denn sie enthalten eine Menge Zusatzmaterial in Form von Einführungen, Anmerkungen…und das alternative Ende das Dickens ursprünglich vorgesehen hatte.

Lesen Sie unseren neuen Feature-Artikel Auf Charles Dickens’ Spuren in Kent in Verbindung mit der Verfilmung, inklusive einem neuen und offizielen Trailer.

 

In his book 'You English Words' (1961) John Moore makes the point that the success of English partly stems from the great need of synonyms that Anglo-Saxon alliterative poetry had. 'Beowulf' for instance uses 12 different words for battle

Man sucht als armer Blogger immer nach griffigen Überschriften die ein altbekanntes Thema in einen halbwegs aktuellen Kontext stellen, und die 50 Worte für Schnee im Titel beziehen sich natürlich auf das neuste Kate Bush Album 50 Words for Snow (2011). Der Name spielt offenbar darauf an dass Leute die geografisch bedingt viel mit Schnee zu tun haben, z. B. Eskimos, Inuit oder auch andere arktische Völker, viele differenzierte Bezeichnungen für einen Stoff haben der über Jahrtausende ihr Leben beeinflusste. Dass ähnliches auch für andere Leute und Regionen gilt, ist logisch und keine bahnbrechende Beobachtung, aber wir fanden es interessant, in dem Buch You English Words (1961) von John Moore zu lesen dass in dem epischen angelsächsischen Heldengedicht Beowulf (ca. 700 n. Chr.) nicht weniger als 12 verschiedene Worte für Schlacht verwendet werden, und dass die Angelsachsen, deren Sprache den Grundstein für das heutige Englisch legte, 27 verschiedene Worte für Schiff und Boot hatten. Das ist, auch wenn die alten Recken wortmäßig nicht ganz mit den Eskimos mithalten konnten, immer noch eine ganze Menge word power. Der Autor John Moore, übrigens ein humorvoller Liberaler der dem Sprachpatriotismus distanziert oder gar sarkastisch gegenübersteht, meint nichtdestotrotz dass die alliterative Natur der angelsächsischen Stabreim-Dichtung dazu beigetragen hat dass Englisch so eine erfolgreiche Sprache wurde. Der Begriff Alliteration, und Sie können ihn hier detaillierter bei Wiki nachlesen, bedeutet grob gesagt die Aneinanderreihung von verschiedenen Worten die eine ähnliche Bedeutung haben und vom Klang her gut zusammenpassen. Wir benutzen natürlich auch im Deutschen viele eingängige Sprüche wie 
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Drummer's Heaven: A documentary about Gene Krupa, presented by Police drummer Stewart Copeland, featuring interviews with people like ELP drummer Carl Palmer

Presenter Stewart Copeland, der Schlagzeuger von The Police, spricht u. a. mit dem ELP-Drummer Carl Palmer in diesem Doku über den einflussreichen Schlagzeuger Gene Krupa (1909 – 1973). Die BBC-Sendung kann noch für ein paar Tage online gehört werden. Link unten auf der Info-Leiste. Es ist interessant dass zwei Drummer-Ikonen, die zweifellos Fans von Prog und Rock aufhorchen lassen werden, beide einen Schlagzeuger verehren der vorrangig in Genres wie Swing und Jazz spielte. Zu Beginn des Dokus erzählt der Emerson, Lake & Palmer Schlagzeuger, wie er als Kind in Birmingham zusammen mit seinem Vater den Film The Gene Krupa Story (1959) sah. Carl Palmer hatte damals selber gerade zu spielen angefangen und war von Gene Krupa begeistert, ebenso von der Art wie Krupas weißes Schlagzeug (übrigens von der Firma Slingerland, Red,) zu Beginn des Films mit eindrucksvollen Kamerawinkeln und Schatten fotografiert wurde. Als er aus dem Kino herauskam, sagte er seinem Vater: That’s what I want to be, that’s what I want to do. Und dabei blieb er. Wir finden, Jazz-Einflüsse sind in ELP-Stücken wie Eruption vom Album Tarkus unübersehbar, und ähnliches gilt unserer Meinung nach für Police Klassiker wie Walking on the Moon. Aber gehen wir fast ein Jahrhundert in die Vergangenheit zurück, in die 1920er Jahre: Stewart Copeland erklärt, eins der Probleme für Drummer war damals dass die simple Aufnahmetechnik vieles vom Schlagzeug, z. B. die tom-toms und vor allem die bass drum tontechnisch überhaupt nicht verkraften konnte. Schlagzeuger wurden bei Aufnahmen dazu angehalten, eher Perkussionsinstrumente wie wood blocks und vielleicht etwas auf den Becken zu spielen. Aber Gene Krupa, der aus der polnisch-katholischen Gemeinde Chicagos stammte und von Haus aus eigentlich Priester werden sollte, ließ sich etwas einfallen: Er plazierte klangdämpfende Materialen um die bass drum und bat die Aufnahmetechniker, es so zu versuchen. Deshalb gilt Krupa als erster der ein komplettes Schlagzeug auf Schallplatte verewigte. Dieses Claim ist jedoch umstritten, und darauf wird in der Sendung eingegangen. Es wird auch über Drummer gesprochen die Krupa inspirierten, wobei einer der ersten
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