Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Archive for 'Blog'

In the Rolling Stone magazine's ''500 Greatest Albums of all Time' Astral Weeks (1968) was near the top at 19. We had the fortune to see singer and songwriter Van Morrison, whose birthday it is, here in Andalusia. And he is still fantastic.

Es ist der Geburtstag des Sängers und Liederschreibers Van Morrison und wir werfen einen Blick auf sein Album Astral Weeks (1968), das von Musikkritikern als eins der besten Alben aller Zeiten gelistet wird. Im Jahr 2003 kam Astral Weeks  im US-Magazin Rolling Stone bei der Wahl der 500 besten Alben aller Zeiten auf Platz 19. Wir hatten das Glück, den in Nordirland geborenen Musiker Van Morrison vor ein paar Jahren hier bei uns in Andalusien im Konzert zu sehen, in Málagas schönem alten Opernhaus Teatro Cervantes, in dem öfters weltberühmte Musiker auftreten. Der Mann trug Anzug und Fedora-Hut und kam als schüchtern um nicht zu sagen völlig introvertiert rüber. Aber Van Morrisons Stimme klingt live – ganz ohne Halleffekte etc. – fast noch besser als auf den Alben. Und er spielte mit sehr guten Begleitmusikern, auf akustischem Doppelbass, Grandpiano, Trompete und Saxophon und einem Gitarrist der auf seiner alten Gibson-Semi-acoustic kleine Riffs und Melodien á la Joe Pass hervorzauberte. Der Mann hat viele gute Alben gemacht, zu unseren Favoriten gehören Moondance (1970), No Guru, No Method, No Teacher (1986) und Irish Heartbeat (1988) welches er mit den Chieftains aufnahm. Das Album Astral Weeks (1968) wirkt wie ein langes Lied, wie eine Tagebuch aus Van Morrisons Kindheit und Jugend in Irland. Hauptsächlich das nordirische Belfast. Astral Weeks enthält mehrere Referenzen zu Orten, Begebenheiten und Personen. Wie die Cyprus Avenue, der Zug von Dublin nach Sandy Row, einer Madame George, oder die Sunday Sixbells, der Glockenklang von St. Donards Church, wo Van Morrisons Eltern heirateten. Van Morrisons Perspektive ist nicht immer leicht zu entziffern. Für ihn scheint hinter dem Alltäglichen eine geheime, vielleicht sogar spirituelle Welt verborgen zu sein. Eine graue, 22-stöckige Hochhaussiedlung kann auf einmal etwas romantisches sein, wenn irgendwo dort oben eine Frau mit dem Namen Ballerina lebt. Die Musik von Astral Week ist eine Art Folk mit akustischer Gitarre, Kontrabass, Flöte und Streichern. Die Texte klingen dichterisch-romantisch, teils surrealistisch, wie zum Beispiel Sweet Thing, hier das Lied auf YouTube. Wir übersetzten frei und auszugsweise:

Ich sehe die Schiffe am Morgenhimmel und stille meinen Durst mit kaltem, klarem Wasser/ Wir gehen zusammen durch regennasse Gärten / und dann werde ich meine Hand in den Abendhimmel ausstrecken /die Sterne in deinen Augen zählen /einfach alles in mir aufnehmen/ ohne zwischen den Zeilen zu lesen / und wenn wir so zusammen gehen und sprechen / dann werde ich mich nie wieder alt fühlen / nie wieder / mein Liebling

Der Text kommt jedoch erst so richtig rüber wenn er wie ein Klanggemälde mit Van Morrisons Stimme verflochten ist. Astral Weeks hat Züge eines Konzept-Albums. Auf Vinyl-LP (siehe unsere Schallplatte im Foto) heißen die beiden Plattenseiten jeweils: In the Beginning und Afterwards. Ob sich dieses Vorher und Nachher auf eine Person oder vielleicht Vans Heimat bezieht, die er seinerzeit, in Richtung Amerika als junger Mann verließ, wer weiss? Um auf die 45 Minuten einer Schallplatte zu passen, wurden damals angeblich einige Sachen herausgeschnitten. Unter anderem ein
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It's the birthday of John Peel (1939 - 2004) whose late night radio show we used to listen to quite a lot on BBC Radio 1

Es ist Ihnen vielleicht schon aufgefallen dass wir Radiio-Fans sind, und das geht zu einem gewissen Grad auf John Peels Konto. Wir hören heutzutage im Radio hauptsächlich Hörspiele und Dokus, waren aber als junge Leute in den 80er Jahren etwas mehr den Musiksendungen zugetan. John Peel war ein gutes Beispiel, warum öffentlich-rechtliches Radio (und auch TV) wichtig ist. Seine Sendungen um Mitternacht waren nicht für den gemeinsamen Nenner eines Publikums, sprich Kundensegment, formatiert sondern forderten den Hörer heraus, konsternierten ihn nicht selten. Die Sachen die der Mann spielte waren oft unkommerziell und anstrengend. Wollte man sich zurücklehnen und entspannen, kamen Bands mit illustren Namen und Klängen wie Napalm Death und Extreme Noise Terror. Und wenn man gerade im Begriff war, in dem Kettensägen-Lärm entfernte Ansätze tonaler Strukturen zu erkennen, kam Peel wieder mit ganz anderen, vermeintlich ebenfalls hoffnungslosen Bands wie Half Man Half Biscuit, die wie Umpah-Umpah-Musik fürs Kinderfernsehen klangen. Dann wartete er vielleicht mit introvertierten Balladen von Microdisney auf, oder stakkatohaften Gitarren von The Wedding Present. Und natürlich: In Session…The Fall, eine von Peels Lieblingsbamds, und eine Gruppe die sich musikalisch wirklich schwer einordnen lässt. Viele von Peels Favoriten waren nicht so richtig unser Ding, denn wir waren immer schon unverbesserliche Folk- und Progrock-Fans die davon träumten dass Musik Jahr für Jahr immer progressiver werden würde. Aber da spielte John Peel Peel nicht mit – seitdem er Punlk-Bands wie die Undertones entdeckt hatte. Trotzdem hatte es einen Reiz, auch mal Gruppen zu hören von denen man sich normalerweise keine LPs kaufen würde. Und hin und wieder taten wir es dann auch: kauften uns Schallplatten von The Smiths oder This Mortal Coil und anderen Bands die wir zuerst bei John Peel gehört hatten. Wir nahmen auch öfters Lieder auf Cassetten auf, die wir
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La Concepciön, the beautiful gardens of Málaga, which are open to the public and worth a vist, were built by Jorge Loring (1822 - 1901) whose family were from Massachusetts

Wir weisen oft und gerne darauf hin dass Andalusien fast unendlich viel Strand und Sonne hat, aber dass es darüber hinaus auch eine Vielfalt anderer interessanter Dinge zu sehen und zu tun gibt. Wir waren gestern am Flughafen um jemanden abzuholen, und es ergab sich aus verschiedenen Gründen dass wir auf einmal etwa 90 min. Wartezeit herum zu kriegen hatten. Da geht man normalerweise einen Kaffee oder ein Bier trinken, aber bei den Preisen an Flughäfen kann einem darauf glatt die Lust vergehen. Nach der Devise: Für das Geld kann man etwas besseres machen, entschieden wir, mal wieder die botanischen Gärten von Málaga zu besuchen, die vom Flughafen nur etwa 10 Minuten Fahrt entfernt sind. Die Gärten, genannt La Concepción, liegen am Stadtrand, auf der Straße in Richtung Antequera. Kurz nachdem man an Málaga vorbei gefahren ist, nach der ersten Repsol-Tankstelle rechts abbiegen, über die Brücke zur anderen Straßenseite fahren und dann links runter. Voilà. Die schöne alte Villa auf dem Foto ist allerdings nicht der Eingang, sondern sie liegt in der Mitte der Gärten. Dieses Haus wird gelegentlich für Hochzeiten gemietet, ist aber ansonsten unbewohnt und geschlossen. Haus und Gärten gehörten ab ca. 1850 dem Industriellen Jorge Loring (1822 – 1901) der von einer amerikanischen Familie aus Massachusetts stammte.

There's thousands of plants here, but we point out this gnarly fellow to people filming the Tolkien books. If you use dwarves, it will look even bigger, Mr Jackson. (click for more pics)

Die Familie machte u. a. in Eisenbahnen und später im 20. Jahrhundert auch in Flugzeugbau. Mittlerweile gehört die Anlage der Stadt Málaga, und dort scheint sie in guten Händen zu sein, denn jedesmal wenn man vorbeikommt, gibt es nützliche und gut gemachte neue Sachen, sei es ein Café oder Bildschirme auf denen ein kleiner Info-Film läuft, ein kleiner Laden in dem man Samen fúr einige der Pflanzen des Gartens kaufen kann etc. Alles nett gemacht. Der Eintritt scheint uns mit fünf Euro angemessen, es arbeiten ja eine Menge Gärtner dort. Es gibt auch alle ein, zwei Stunden Führungen an denen man für ca. 2 Euro extra teilnehmen kann. Das haben wir schon mal gemacht und das war gut, aber man darf auch auf eigene Faust rein, und das passte uns, denn wir wollten nur ein paar Fotos machen. Wir blieben nur eine halbe Stunde, waren aber bei früheren Gelegenheiten eher ein und halb Stunden dort, denn es gibt viel zu sehen und darúber hinaus ist es an heißen Sommertagen eine Wohltat in dem allgegenwärtigen Schatten der Bäume und gusseisernen Gartenlauben zu wandeln. Man könnte hier gut alle möglichen Filme drehen, daher unser Gag über den Baum der aussieht wie aus Tolkiens Welten. Eine interessante Eigenart dieses Baums, der zur Feigenfamilie gehört, ist dass er von oben Seil ähnliche Wurzelbündel bis zum Boden herabläßt, die dann in der Erde Fuß fassen und zu einem neuen Baum werden. Wenn man das Foto durch anklicken vergrößert, sieht man links eine dieser Schnüre baumeln und rechts einen der neuen Bäume.
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The artist Ford Madox Brown became part of the circle of the Pre-Raphaelite Brotherhood, which is subject of a big exhibition at the Tate Britain, starting September. Link below.

Im September beginnt eine große Ausstellung von Werken der Präraffaelitischen Bruderschaft, einer englischen Künstlergruppe aus dem 19. Jahrhundert. Mit dabei sind auch Bilder von Ford Madox Brown, dessen Gemälde Pretty Baa-Lambs (1852) links abgebildet ist. Brown war kein Gründungsmitglied der Bruderschaft. wurde aber ein Teil von ihrem Kreis und war eng mit dem Dichter und Maler Dante Gabriel Rossetti befreundet, der die treibende Kraft der Pre-Raphaelite Brotherhood war. Browns Gemälde mit dem markanten blauen Himmel, Mutter, Kind und Schäfchen auf der Weide, ist eins seiner schönsten, und zudem das erste seiner Bilder das stark von präraffaelitischen Ideen geprägt ist. Was heute manchem als etwas arg idylllisch anmuten mag, wurde damals von Kritikern und dem Kunstbetrieb als harsch und sogar verantwortungslos empfunden. Bilder sollten damals moralische Inhalte vermitteln. z. B. allegorische, aber klar verständliche Darstellungen von falsch und richtig, oder Gut und Böse zeigen, wogegen das Hauptinteresse der Präraffaeliten die Natur war: Menschen, Tiere und Landschaften sollten, ohne jede Verklärung, so genau und wahrheitsgetreu wie möglich dargestellt werden. Ein Bild das. ohne ein besonderes message, einfach Browns Lebensgefáhrtin und spátere Ehefrau Emma und Tochter Cathy dabei zeigt wie sie auf einem Feld Schafe füttern – Emmas Gesicht zudem ganz unaristokratisch von der Sonne verbrannt – wirkte damals zu alltäglich für Kritiker. Ähnliche Szenen hátte man ja an jeder holprigen Straßenecke sehen können. In der Tat, Browns berühmtestes Gemälde, schlicht genannt Work (1865), zeigt tatsächlich Bauarbeiten an einer Straßenecke. Die Tatsache dass in heutiger Kunst kaum noch das sog. Hehre und Schöne, sondern eher die harsche Realitát als Thema oder zumindest als Inspiration bevorzugt wird, zeigt wie einflussreich und modern die Präraffaeliten waren - auch wenn es auf den ersten Blick paradox erscheint. Dass die kommende Ausstellung in Londons Tate Museum unter dem Titel 
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The 2-DVD set has only recently become available in Europe, so there's lots of music & documentary stuff we'd never seen.

Der Konzertfilm The Grateful Dead Movie ist als 2-DVD-Set erst seit kurzem in Europa erhältlich, jedenfalls konnten wir ihn vorher nicht kriegen. Wir kannten ihn nur von VHS-Versionen und ein paar Ausschnitten die im Netz herumschwirren. Auf der Bonus-DVD der Neuausgabe sind mehrere Dokus und ca. 90 Min. an Liedern die nicht im Originalfilm waren, weil die Kinoversion auf 130 Min. reduziert wurde. Der Originalfilm auf DVD1 ist von der Klangqualität her völlig überarbeitet worden und klingt deutlich besser. Der Film kam 1977 in die Kinos, wobei das Konzert 1974 aufgenommen wurde und die Band an einem Wendepunkt zeigt. Grateful Dead waren damals ca. 10 Jahre lang fast ununterbrochen auf Tour gewesen und brauchten eine Pause. Der Film sollte eine Art Abschiedskonzert darstellen und verewigen. Wie sich herausstellte, dauerte es nicht allzu lang bis die Bandmitglieder sich wieder aufrappelten. Aber The Grateful Dead Movie zeigt die Band so ziemlich auf dem Zenith ihrer musikalischen Fähigkeiten. Auch wenn bei einem Konzert in einer Halle – San Franciscos Winterland war ehemals eine Eisbahn zum Schlittschuhlaufen gewesen – nicht ganz so eine idyllische Atmosphäre herrscht wie bei Open Air Festivals á la Woodstock. Allerdings hatten Grateful Dead 1969 bei Woodstock gespielt und waren mit dortigen technischen Bedingungen so schlecht zurecht gekommen dass sie eine der wenigen Bands waren die weder auf dem Woodstock-Film noch dem Soundtrack erschienen. In Winterland hingegen konnte die Band ganz nach ihren eigenen Regeln spielen, 5 Tage lang mit eigener Musikausrüstung, Beleuchtung und 6-köpfigem Kamerateam arbeiten. Denn trotz des abenteuerlichen Hippie-Lebenstils war die Band sehr akribisch in ihren Ansprüchen bei allem was Technik und Qualität anging. Im Film sieht man das PA der Band, die Beschallungsanlage mit Spitznamen Wall of Sound, die damals vielleicht die größte Lautsprecheranlage der Welt war. Ein weiterer Teil der Hippie-Philosophie Marke Grateful Dead war Autonomie, z. B. weitgehende Unabhängigkeit von Plattenfirmen. Während fast alle Rockbands bis zum heutigen Tag sämtliche Musikaufnahmen brav und auf Nimmerwiedersehen bei Medienkonzernen abliefern und dann von deren Vorschüssen leben, behielten Grateful Dead die Master-Tapes von Hunderten ihrer Konzerte und gründeten 1973 sogar eine eigene Plattenfirma für ihre Studioalben. Grateful Dead spielten nur Musik die ihnen Spaß machte und hatten so gut wie nie Chart-Hits, sondern spielten stattdessen viel live und nahmen die Konzerte mit damaligen state of the art 16-Spur-Maschinen von Studer auf. Diese 
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Call it religion, call it mythology, call it distant historic events wrapped up as a lesson. One thing's for sure: It's a great story. Good luck on a film set that may be wetter than 'Titanic'

In Island haben die Arbeiten an dem kommenden Spielfilm Noah (2014) begonnen. Offenbar eine Produktion mit großem Budget und Starbesetzung á la Russell Crowe, der in Gladiator (2000) und anderen Filmen als Hauptdarsteller beeindruckte. In weiteren Rollen sind Schauspieler wie Emma Watson aus den Harry Potter Filmen, Ray Winstone und der gute alte Waliser Anthony Hopkins. Wir mögen solche Stoffe und finden nicht, dass man unbedingt Anhänger irgendeiner spezifischen Religion sein muss um solche Geschichten interessant zu finden. Wer wirklich allergisch auf die Bibel ist, kann sich damit trösten dass die Geschichte von einem Mann der mit seiner Familie und seinen Tieren eine große Flut überlebte, schon im sumerischen Gilgamesch-Epos vorkommt. Und wer weder mit Religionen noch mit Mythen etwas am Hut hat, sondern nur Fakten will, den dürfte interessieren, oder dem wird wahrscheinlich schon bekannt sein, dass vor ca. 7500 Jahren tatsächlich etwas geschah, das Ähnlichkeit mit dem weit verbreiteten Mythos von einer Großen Flut hat. Um ca. 5600 v. Chr. erlebten jungsteinzeitliche Bauern und Viehzüchter in der Region um das heutige Schwarze Meer etwas das sich als Desaster entpuppte:

Pic from the US National Climatic Data Center (NCDC), who point out that the Black Sea deluge hypothesis is not supported by all researchers but quote an National Geographic article: "funneled through the narrow Bosporus, the water hit the Black Sea with 200 times the force of Niagara Falls. Each day the Black Sea rose about 15 cm, and coastal farms were flooded."

Das Schwarze Meer war bis zu diesem Zeitpunkt noch ein riesiger Süßwassersee ohne Verbindung zum Meer. Aber aufgrund von damaligen umweltlichen Veränderungen, begannen riesige Mengen von Salzwasser über den heutigen Bosporus ins Schwarze Meer einzudringen. Das ist wissenschaftlich bewiesen, obwohl der genaue Zeitpunkt noch umstritten ist – den sehen manche Forscher eher noch früher, nicht 5600 sondern vielleicht schon ab 7000 v. Chr. 
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It's the birthday of the pianist Bill Evans (1929 - 1980) and these two albums one should own. The two 'Village Vanguard' LPs are contenders for Best Jazz Recordings of all Time

Es ist der Geburtstag des Pianisten Bill Evans (1929 – 1980) und es gibt mindestens zwei Alben von ihm die man haben muss. Die ‘Village Vanguard’ Aufnahmen von 1961 sind Kandidaten für die Besten Jazz-Aufnahmen aller Zeiten. Sie stammen von einem Sommerabend in einem kleinen New Yorker Jazzclub namens Village Vanguard. Diese Live-Aufnahmen wurden noch im selben Jahr auf zwei separaten Alben vom Bill Evans Trio veröffentlicht: Sunday At The Village Vanguard (1961) und Waltz for Debby (1961). Bill Evans spielte zusammen mit dem Schlagzeuger Paul Motian (1931 – 2011) und dem jungen Bassisten Scott La Faro (1936 – 1961), der kurz nach den Aufnahmen bei einem Autounfall ums Leben kam. Dass der 25-jährige Scott LaFaro heute unter Musikern einen legendären Status hat, liegt jedoch weniger an seinem frühen Tod, als an seinen spektakulären Spielkünsten am gezupften Kontrabass. Die zwei Vanguard Alben, auf dem Foto sehen Sie unsere CD-Ausgaben, gibt es auch in Form von verschiedenen 2-CD-Sets, z. B. als The Village Vanguard Sessions oder The Complete Village Vanguard Recordings. Wir haben nichts gegen diese Art von Kompilationen, denn die Alben gehören zusammen und haben eine durchgehende Atmosphäre, wobei wir persönlich Alben im ursprünglichen Look bevorzugen, mit den entsprechenden Liner Notes, der Reihenfolge der Lieder etc. Dies ist eher eine nerdige Sammler-Macke von uns. Der Preisunterschied zwischen den Alben und Kompilationen bei Amazon ist gering, vergleichen und wählen Sie selbst. Was wir so gut wie garantieren können, ist dass die Hauptsache, nämlich die Musik, Lesern gut gefallen wird. Wahrscheinlich sogar Leuten die sich nicht als spezifische Jazz-Fans bezeichnen würden. Denn dies ist einfach umwerfend schöne, verträumt klingende Musik. Sie mutet gleichzeitig experimentell, innovativ und wie eine Art Meditation an.

Village Vanguard Recordings: Scott LaFaro (Bass) & Paul Motian (drums) played with Bill Evans on these classic albums, which turned out to be Scott LaFaro's swan song.

Das hat zum Teil mit der guten Auswahl an Liedern zu tun: Eigenkompositionen und Klassiker von Leuten wie Miles Davis und Cole Porter. Zum anderen, noch größeren Teil, damit wie die drei Musiker diese Lieder dekonstruieren, umgestalten und neu erfinden. Der Pianist Bill Evans hat eine faszinierende, sanfte Art, Akkordstrukturen aufzulösen, zu abstrahieren, bis sie den Hörer nur noch wie eine sanfte Sommerbrise umwehen. Um solche Klanggemälde zu komplementieren, bedarf es eines einfühlsamen Schlagzeugers wie Paul Motian, der viel auf dem Hi-hat und den Becken dazu zaubert. Der geheime, oder vielleicht gar nictht so geheime Star des Ganzen ist der Bassist Scott LaFaro, der oft die Rolle des Solisten übernimmt. Er spielt selten die traditionellen Grundnoten mit denen Bassisten den Takt halten und das tiefere Klangspektrum füllen sollen, sondern meistens Melodien und Noten die der Akkordstruktur völlig überaschende Perspektiven abgewinnen. Dabei hat er eine Art, seine oftmals sehr schnellen Sechszehntel-Noten dennoch völlig entspannt und dem Lied dienlich klingen zu lassen. Ein weiterer interessanter Aspekt dieser Aufnahmen ist die Atmosphäre des Vanguard Clubs. Wir waren noch nie drin, aber es klingt wie ein ziemlich kleiner Raum in dem, vom Applaus her zu urteilen, damals
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Das letzte deutsche Hörspiel gab es vor einem halben Jahrhundert, aber das kommt vor Tom, das passiert heute. Es gibt ja BBC-Radio. Brandneue Produktion: Buddenbrooks

Es gibt ein neues BBC-Hörspiel von Buddenbrooks und Sie können den ersten, einstündigen Teil ab sofort und ein paar Tage lang kostenlos online hören, Link am Ende des Blogeintrags. Unser Seitenhieb im Bildtext ist etwas gemein, denn immerhin hat der deutsche Kulturbetrieb Thomas Manns Roman Buddenbrocks  (1901) mehrfach verfilmt, zuletzt im Jahr 2008. Dennoch wundert es einen, dass man sich für ein neues Hörspiel (das letzte gab es 1965) von einem der größten deutschen Romane, an den englischen Rundfunk wenden muss. Aber das hätte Thomas Mann wahrscheinlich nicht weiter gewundert. Man versucht ja, solche Dinge mit Humor zu sehen. Aber während Thomas Mann noch eine einigermaßen gute Medienpräsenz in Deutschland hat, sucht man nach Hörspielen oder gar nennenswerten Verfilmungen von Leuten wie Eichendorff und Droste-Hülshoff in Deutschland vergebens. Das ist unglaublich, wenn man bedenkt wie die Briten ihre Dichter und Schriftsteller pflegen: Shakespeare, Brontë, Austen…und viele andere werden alle paar Jahre neu verfilmt, oder sind durch Dokus oder Radiosendungen präsent. Was zum Beispiel Droste-Hülshoff anbelangt, wünschen wir uns tatsächlich keine deutsche Verfilmung und kein deutsches Hörspiel mehr. Wir hoffen dass die Briten das tun, und dass man in Deutschland irgendwann vor dem Fernseher sitzt und die Droste auf Englisch mit deutschen Untertiteln sieht. Vielleicht wird dann der Groschen fallen, dass irgendwo etwas falschgelaufen ist. Aber genug davon: Always look on the bright side of life. Thomas Mann (1875 - 1955) hat als junger Mann, mit Mitte Zwanzig, aus welcher Zeit obiges Foto stammt, einen wundervollen Roman veröffentlicht. Wir haben uns gerade den ersten Teil des aufwendigen BBC-Hörspiels Buddenbrooks angehört und es hat uns sehr gut gefallen. Teil 2. folgt nächsten Sonntag. Wir werden das Link dann der Infoleiste hinzufügen. Viel Spaß.

Info Das BBC-Hörspiel Buddenbrooks / Und ein Trailer für den Kinofilm Buddenbrooks (2008), diese unterbewertete Verfilmung mit Armin Müller-Stahl u. a. ist als DVD und Blu-ray erhältlich / Ein mehrteiliges Doku über Thomas Mann gibt es bei YouTube. Hörspiel verpasst? Wird früher oder später wiederholt, wir weisen im Blog darauf hin. Literaturreisen Das Buddenbrookhaus in Lübeck

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Enid Blyton (1897 - 1968): Barbara Stoney's biography is good and so is the BBC biopic 'Enid' (2009), largely based on the book. Helena Bonham Carter is superb in the title role.

Zwei exzellente Werke über die Kinderautorin Enid Blyton sind leider nur auf Englisch erhältlich: Der BBC Spielfilm Enid (2009) und die Blyton-Biografie von Barbara Stoney, die weitgehend als Vorlage für den Film diente. Ein Trailer dafür folgt gleich. Wenn wir heute, anlässlich Blytons Geburtstag, über den Film berichten, schließt das Barbara Stoneys Buch zum Teil ein. Weder Film noch Buch sind unkritisch gegenüber Blyton. Es ist kein Wunder und kein Geheimnis dass berühmte Autoren in ihrem Privatleben nicht unbedingt den Idyllen und Idealen ihrer Bücher entsprechen. Aber diese Tatsache wird in der BBC-Produktion nicht mit medientypischer Häme ausgeschlachtet. Eine Konfrontation zwischen Blyton und den Medien ist auch der Ausgangspunkt des Films: Die Autorin, dargestellt von Helena Bonham Carter, wehrt sich bei einem Radiointerview gegen das von Journalisten in die Welt gesetzte Gerücht dass sie ihre zahlreichen Bücher nicht alle selber schreiben würde. Vielleicht ein Beispiel dafür wie vorgeblich progressive Medien manchmal, implizit, die Fähigkeiten von Frauen denigrieren. Diese Gerüchte trafen Blyton viel härter als die schon damals üblichen Vorwürfe dass sie altmodisch sei, denn für Blyton war Schreiben nicht nur ein Job sondern Lebensblut: Sie schuf sich, aus einer teils unglücklichen Kindheit heraus, durch das Schreiben eine Welt in der sie  noch glücklicher war als ihre Millionen von jungen Lesern. Von denen bekam Blyton täglich kistenweise Post. In einer Filmszene ist sie auf dem Hintersitz ihres Autos und liest voller Glücksgefühle die Kinderbriefe, die zum Teil kleine Geschenke, z. B. Käfer in Streichholzschachteln enthielten, während sie gleichzeitig ihrem Chauffeur androht, er würde seinen Job verlieren wenn er bis Ende der Wochen seinen Husten nicht auskuriert hätte. Jenseits ihrer Kinderwelt hatte jeder nach ihrer Pfeife zu tanzen und wurde manchmal eiskalt fallengelassen. So auch, könnte man argumentieren, ihr erster Ehemann Hugh Pollock, im Film gespielt von Matthew Macfadyen, Lesern als Mr. Darcy aus Stolz und Vorurteil (2005) bekannt. Als Blyton im Alter von neunzehn das Elternhaus verläßt um Lehrerin zu werden, schreibt sie in jeder freien Minute Gedichte und Geschichten. Im Film sieht man sie sämtliche Verlage abklappern, aber Hugh Pollock ist der einzige Lektor der ihr Talent erkennt. Er lädt sie zu einem Gespräch ein, wobei Enid sich diese eher sensible Künstlerseele im Nu um den Finger wickelt und bald darauf heiratet.

Der ländliche Hintergrund vieler 'Fünf Freunde' Abenteuer wurde von Landschaften um Corfe Castle in Dorset inspiriert. Hier verbrachte Enid Blyton mit ihrer Familie viele Urlaube

Innerhalb von recht kurzer Zeit wird Enid berühmt, wohlhabend und hat zwei Kinder. Echte Kinder sagen ihr allerdings nicht so sehr zu wie die in ihren Büchern. Sie engagiert ein Kindermädchen, die rüstige Dorothy Richards, die sich schnell zu ihrer engsten Freundin entwickelt. Blytons gigantischer Erfolg und ihre enge Beziehung zu Dorothy führen aber auch zu Marginalisierung ihres Ehemanns Hugh, der zudem Alkoholprobleme entwickelt. Auch ihre zwei Töchter scheinen weniger Liebe und Zuwendung zu bekommen als Blytons junge Leser, die gelegentlich scharenweise zu Picnics in Blytons Anwesen eingeladen werden und an denen die Töchter nicht immer teilnehmen dürfen. Die Töchter werden bald darauf ins Internat verfrachtet, eher unglücklich - aber eine schöne Vorlage für Blytons idyllische Hanni Und Nanni Bücher. Nachdem Blyton ihren Ehemann, unter Androhung von diversen Konsequenzen, zu einer Scheidung bewegt hat, heiratet sie den älteren Arzt Kenneth Waters der, zugegebenermaßen, viel besser zu Blyton passt: Eine sehr stabiler, selbstbewusster Erfolgsmensch, super gespielt von Denis Lawson. Blyton suchte scheinbar eher eine Vaterfigur als einen
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It's the birthday of Leo Fender (1909 - 1991) the inventor of the Stratocaster - and other guitar classics: We managed to make a photo of one of Keith Richards' Fender Telecasters.

Es ist der Geburtstag von Leo Fender (1909 – 1991), dem legendären Gitarrendesigner, und wir wollten zu Abwechslung mal nicht nur über seine berühmteste Gitarre, die Fender Stratocaster sprechen, sondern auch die von uns sehr verehrte Fender Telecaster erwähnen. Links im Bild ist eine Telecaster von Rolling Stone Keith Richards, wir machten das Foto bei uns an der Costa del Sol, im Hard Rock Cafe von Marbella. Eine rote Fender Telecaster war auch die erste richtige E-Gitarre die wir selber hatten. Sie ist momentan allerdings in England, in den Händen eines Freundes. Yes, we hope you’re looking after it. Die Telecaster ist vom Aussehen her etwas unauffálliger und auch technisch ein kleines bisschen simpler als die Stratocaster, aber für uns besticht die Tele gerade durch ihre schlichte Schönheit. Nur zwei Tonabnehmer und zwei Dreher, anstatt jeweils drei, wie die Stratocaster. Manche Leute leben ja nach der Devise: Less choice, less trouble. Im Vergleich zur Strat hat die Telecaster für uns einen etwas klareren und helleren Klang. Wogegen die Stratocaster unserem Empfinden nach ein größeres Spektrum an Obertönen produziert: perfekt für Lead-Gitarre, also fetzige Solos mit einem fetten, etwas unscharfen eher als kristallenen Klang. Die Stärke der Telecaster hingegen sehen wir etwas mehr in der Abteilung Rhythmus-Gitarre: Das muss keineswegs nur ein Schrummeln von Akkorden sein. Andy Summers von The Police, der jahrelang Telecasters benutzte, spielt zwar relativ wenige Solos, entwickelte aber aus aufgelösten Akkorden, also flüssig gespielten Sequenzen aus einzelnen Noten von Akkorden, einen sehr individuellen Klang, der zusätzlich durch Flange-Effekte verfremdet wird. So zum Beispiel in dem Lied Bring on the Night. Für uns ist die Telecaster übrigens eine der seltenen E-Gitarren die vom Aussehen her auch gut zu Frauen passt. Die schlanke Chrissie Hynde von den Pretenders können wir uns mit einer anderen Gitarre als einer dezenten Telecaster gar nicht vorstellen. Und tatsächlich scheint die Dame mit dieser Gitarrenmarke eine konstantere Beziehung gehabt zu haben als mit Männern. Findet sie Telecasters vielleicht zuverlässiger? Hier ist ihr Lied Back on the Chain Gang, mit typisch ‘kristallenem’
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It's the birthday of the poet Alfred Tennyson (1809 – 1892)

Es ist der Geburtstag des englischen Dichters Alfred Tennyson (1809 -1892). Ein Gedicht von ihm das wir sehr mögen, ist The Lady of Shalott. Wir sind bei einer früheren Gelegenheit auf die mythischen Aspekte des Gedichts eingegangen, die Sagen um König Artus, Camelot und Lancelot. Die Lady of Shalott lebt auf einer Insel im Fluss, wo sie in einem einsamen Turmzimmer am Webstuhl Bilder von der Außenwelt herstellt. Diese Welt kann sie aber nicht direkt, sondern nur im Spiegel betrachten, sonst muss sie sterben. Als sie eines Tages nicht widerstehen kann, Ritter Lancelot in echt, vom Fenster aus anzusehen, zerbricht der Spiegel: ‘The mirror crack’d from side to side’ – und ein Fluch nimmt seinen Lauf. Die Lady geht zum Sterben in ihr Boot, singt ihr letztes Lied, dies ist die Szene im unteren Gemälde von J. W. Waterhouse, und läßt sich vom Fluss nach Camelot tragen, wo Lancelot die schöne Tote findet. Wir hatten bei einer vorherigen Gelegenheit versucht zu ergründen ob die Wurzeln der Figur Lady of Shalott, über mittelalterliche Romantik hinaus, noch tiefer in die Vergangenheit zurückreichen? Dabei meinten wir, in der Lady of Shalott Ähnlichkeiten zu alten europäischen Sagen von den Nornen zu sehen. Zumindest in der Art, wie schicksalshafte Fäden gesponnen, bzw. gewebt werden. Auch das mythische Element von Göttinen die durch Liebesbeziehungen mit sterblichen Männern ihre eigene Unsterblichkeit verlieren, schien sich in der Lady von Shalott zu spiegeln. Wir wollten heute versuchen, der Figur eine modernere Interpretation abzugewinnen. Aber nicht bevor wir auf ein schönes Lied hinweisen das jemand aus diesem Gedicht gemacht hat.

The Lady of Shalott

On either side the river lie
Long fields of barley and of rye,
That clothe the wold and meet the sky;
And through the field the road runs by
To many-towered Camelot;
And up and down the people go,
Gazing where the lilies blow
Round an island there below,
The island of Shalott.

Wir zitieren hier nur die erste Strophe von Tennysons The Lady of Shalott (1842), weitere zwölf von insgesamt neunzehn, sind hier in dem Lied von Loreena McKennitt zu hören und mitzulesen.

His poem 'The Lady of Shalott' inspired many other works, like this painting by J. W. Waterhouse from the year 1888.

Vielleicht ist das Motiv von dem Menschen der, wie die Lady of Shalott, in einer Welt lebt in der das Bild von der Wirklichkeit eine viel stärkere Rolle spielt als die Wirklichkeit, etwas das wir selber kennen: In einem positiven Kontext könnte man Kunst, Literatur, Film, Theater und Internet als ein Abbild oder eine Abstraktion der Wirklichkeit ansehen. Die Fähigkeit zur Abstraktion, die sich schon in uralten Höhlengemälden erkennen läßt, ist ja eins der wesentlichen Merkmale des menschlichen Bewusstseins, etwas das weder Tiere noch Maschinen bisher erreicht haben. Heute gibt es riesige Vorteile, aber auch Schattenseiten in unserer Fähigkeit das Leben zunehmend in virtuellen Welten, wie TV, Celebrity Culture, Internet & Social Media zu betrachten und zu verbringen. Aber könnte der heutige Stellenwert vom Abbild der Wirklichkeit so tragische Folgen haben wie bei der Lady von Shalott? Es lief hier gestern in den spanischen Nachrichten ein Bericht zum 50. Todestags von Marilyn Monroe (1926 -1962), und als wir
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Hitchcock's Vertigo (1958) has knocked Orson Welles' Citizen Kane (1941) off the top spot for best movie. About time. too.

Der Hitchcock-Klassiker Vertigo (1958) ist zum besten Film aller Zeiten gewählt worden und hat damit Orson Welles’ Citizen Kane (1941), der seit Jahrzehnten den Top-Spot besetzte, vom Sockel gehauen. Aufgrund dieser Meldung, Link folgt gleich, haben wir uns Vertigo gestern mal wieder angesehen. Es ist wirklich ein Werk das mit seiner handwerlichen und künstlerischen Finesse selbst nach Jahrzehnten neue Details und Perspektiven enthüllt. Wir haben uns auch das Bonusmaterial der restaurierten DVD-Ausgabe angesehen, mit gutem Hintergrundmaterial, in Form von Features und umfangreichen Audiokommentaren, u. a. von Leuten die an dem Film beteiligt waren, wie die sympathische und übrigens immer noch fit aussehende Kim Novak (geb. 1933). Was unsere Titelzeile von einer Hommage an San Francisco anbelangt: Hitchcock hatte tatsächlich erst die Stadt und ihre Umgebung als Schauplatz ausgewählt, und sich dann nach einer passenden Geschichte umgesehen. Hitchcock nannte seinen Filmstil pure cinema: Zuerst sollten die Bilder sprechen, die Worte später ein Teil davon werden. Er empfand San Francisco als eine Art amerikanisches Äquivalent von Paris, und tatsächlich war es auch ein französischer Roman der die Grundlage für Vertigo bildete. Der Film sollte ursprünglich From Among the Dead heißen, eine wörtliche Übersetzung des Buchtitels D’entre les morts (1954) von Pierre Boileau und Thomas Narcejac, die auch die Romanvorlage des Simone Signoret Klassikers Die Teuflischen (1955) geschrieben hatten. Hitchcock zeigte dem Publikum gerne wohlvertraute Orte, wie die Golden Gate Brücke, um sie dann in einen zwielichtigen Kontext zu stellen. Obiges Foto zeigt den Moment, kurz bevor der ehemalige Polizist, gespielt von James Stewart, die mysteriöse Blondine Madeleine ins Wasser springen sieht. Anscheinend ein Selbstmordversuch, aber nichts ist wie es scheint, in diesem komplexen und genial konstruierten Psycho-Thriller. Im Gegensatz zu heutigen Thrillern, wird hier sehr wenig mit Gewalt und stattdessen mit Köpfchen und einer gehörigen Portion Romantik gearbeitet. James Stewart gerät in ein Komplott dem er sich – da zunehmend von Kim Novaks Persönlichkeit besessen – nicht mehr entziehen kann. Hitchcock umhüllt die fatale Romanze der zwei Protagonisten mit enigmatischen Orten in und um San Fransisco: Man sieht die beiden an der Küste von Pebble Beach, und in den Wäldern von Redwood, wo Stewart und Novak an uralten Baumringen die Geschichte der Menschheit dokumentiert sehen. In der Stadt sieht man die beiden im Golden Gate Park und am den Ufern des Palace of Fine Arts spazieren. Es ist bemerkenswert wie Hitchcock die Themen Kunst und Religion in die Handlung einfließen läßt, man denke an die Szenen in dem spektakuláren Kunstmuseum Palace of the Legion of Honor. Ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert gibt James Stewart sogar einen entscheidenden Hinweis: die Halskette. Als religiöse Schauplätze wählte Hitchcock die Missionen San Francisco de Asís und San Juan die Bautista aus Kolonialzeiten, wo der Friedhof und eine Nonne Schlüsselfunktionen haben.
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Musik Grateful Dead: 70 Jahre Jerry Garcia

They got some great bands up there: It's the 70th birthday of Grateful Dead guitarrist & singer Jerry Garcia (1942 - 1995)

Es gibt interessante Verbindungen zwischen der alternativen Kultur der 60er Jahre und der Computer-Revolution der 70, 80 und 90 Jahre…bis zum heutigen Tag, mit Social Media Konzepten wie dem freien Austausch von Informationen und der, in Theorie, nicht-hierarchischen Struktur des Internets. Ein Beispiel wäre Mitch Kapor (geb. 1950) der als junger Mann in Transzendentaler Meditation machte, später Gründer von Lotus Software wurde und mit dem Grateful Dead Liederschreiber John Perry Barlow die Electronic Frontier Foundation gründete, eine Organisation die sich für Meinungsfreiheit im Internet einsetzt. Es ist auch kein Zufall dass sich das heutige Silicon Valley an dem Ort befindet an dem Grateful Dead, die ultimative Hippie-Band der 60er und 70er Jahre entstand. An Orten wie Palo Alto und Menlo Park, wo heute Firmen wie Google und Facebook residieren, spielten damals die Grateful Dead ihre ersten Konzerte. Wobei die Geschichte von ihrem Sänger und Gitarristen Jerry Garcia noch weiter zurückreicht. Garcia, aus einer Familie mit spanischen Wurzeln, wurde in San Francisco geboren, bekam mit 15 von seiner Mutter die erste Gitarre geschenkt und spielte schon Ende der 50er Jahre mit seiner akustischen Gitarre, manchmal auch mit Banjo, in Folkclubs, Cafes und Bücherläden in und um Palo Alto und Menlo Park. Hier entwickelte sich der faszinierende Mix von Beats und Studenten der nahen Stanford Universität. Der spätere Grateful Dead Bassist Phil Lesh traf Jerry zum ersten Mal im Jahr 1959, in einem Haus namens The Château, dessen Besitzer billige Zimmer zu vermieten hatte und wo sich im Laufe der Zeit eine Art Kommune mit abendlichen Musikauftritten bildete.

Jerry Garcia with Gibson SG, and Grateful Dead in Haight- Ashbury in the Sixties, with a beardless Garcia in the center

Jerry Garcia hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht einmal das Geld für eins der billigen Zimmer, deshalb schlief er und sein Kumpel Robert Hunter, der später Lyrik-Schreiber für Grateful Dead wurde, auf dem Château-Parkplatz in einem Auto. Bei seinen Autritten spielte Jerry Folk-Songs wie The Long Black Veil und Matty Groves. Phil Lesh, der sich bis dahin hauptsächlich für Jazz und Moderne Klassische Musik interessiert hatte, war fasziniert davon wie Garcia diese Lieder völlig unaffektiert, ohne Selbstdarstellerei, ohne Show, einfach für sich selber sprechen ließ und Zuhörern auf diese Art die Tiefe dieser Lieder offenbahrte. Phil fragte Jerry ob er bereit wäre ein Demo-Tape aufzunehmen, denn er arbeitete zu diesem Zeitpunkt bei der alternativen San Francisco Radiostation KPFA als Voluntär und Studiotechniker bei der Nachtsendung Midnight Special und wollte der Moderatorin Geri Chiarito ein Demo von Jerry vorstellen. Jerry willigte ein und Phil fuhr los und besorgte ein altes Wollensak-Tonbandgerät, kam zurück zum Château und dort, mit einem Mikrofon auf dem Küchentisch, nahm er mit Jerry die zwei obengenannten Volkslieder und zwei weitere auf. Dieses Tonband führte zu einer 90 Minuten langen Live-Radioshow namens
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