Kulturmagazin

Lieber Leser!

Wir schreiben über unsere Lieblingsthemen aus der Welt der Literatur, Film, Kunst und Musik. Öfters gibt es auch mal Fotos, Anekdoten & Ansichten aus unserem geliebten Gastland: Andalusien, der südlichsten, manche würden sagen, schönsten Region Spaniens. Auf der Startseite finden Sie unsere aktuellen Blogbeiträge und Artikel. Falls Sie mal länger Zeit haben und mehr über unsere Themen lesen wollen, köinnen Sie auch unsere umfangreichen Feature-Artikel auschecken. Wir hoffen dass Sie unser Netzmagazin informativ und unterhaltsam finden. Ein Gruß von der Redaktion!

Archive for 'Blog'

There's a BBC radio play of the novel 'Regency Buck' (1935) online. Link below. Books by Georgette Heyer are not only fun to read, they also contain a lot of background information about the Regency era - sort of Jane Austen's times.

Ein Hörspiel nach Georgette Heyer kann online bei BBC-Radio gehört werden. Link unten auf unserer Info-Leiste. Es ist eine Adaption ihres Romans Regency Buck (1935), der auf deutsch als Die Jungfernfalle veröffentlicht wurde. Ihre Bücher scheinen auch in Deutschland beliebt zu sein, mit wunderbaren Titeln wie Brautjagd, Skandal im Ballsaal, Der Page und die Herzogin, Bezaubernde Arabella, Die drei Ehen der Grand Sophy, Der schweigsame Gentleman etc. Diese Art von Titel sind bei Georgette Heyer Programm: Es sind historische Romane die vor etwa zweihundert Jahren spielen, zu Zeiten von Jane Austen, wenn man so will. Und die Geschichten sind in der Tat auch sehr von Austen beeinflusst. Und da Fräulein Austen kaum mehr als eine Handvoll Romane schrieb, gibt für diese Stilrichtung immer noch viel Bedarf. Wobei manche Autoren heute auf diesem Gebiet eher einen billigen Abklatsch liefern. Aber das ist bei Georgette Heyer (1902 -1974) nicht der Fall. Ihre Bücher sind sehr gut geschrieben, unterhaltsam, humorvoll und vor allem sehr aufwendig recherchiert. Man findet fast auf jeder Seite Details, Fakten und Begriffe die einen zum Nachschlagen in Fachbüchern inspirieren. Regency nennt man jene Epoche um das frühe 19. Jahrhundert, und das Wort buck im Titel des Romans bedeutet, wie wir Brewer’s Dictionary of Phrase & Fable entnehmen: ‘A former name for a spirited young man or Dandy‘. Als Beispiel dafür wird auch ein literarisches Zitat geliefert:

 ’A most tremendous buck he was, as he sat there serene, in state, driving his greys’.  W. M. Thackeray: Vanity Fair (1847) chapter VI.

Georgette Heyer (1902 -1974), die Autorin von 'Regency Buck'. Die Biografie 'The Private World of Georgette Heyer' von Jane Aiken Hodge ist als engl. Taschenbuch erhältlich.

Pferde und Kutschen gibt es bei Georgette Heyer zu Genüge, bei ihr erfährt man sogar dass es von diesem Transportmittel viele verschiedene Typen, wie den Tilbury, den Phaeton, den Carrick und die Berline gab. Dass man bei Reisen mit Postkutschen etwa neun Meilen pro Stunde schaffte, und dass bei Ankunft in coaching inns, ähnlich wie bei deutschen Poststationen, innerhalb von zwei Minuten sämtliche Pferde ausgetauscht werden konnten. Den Job erledigte ein ganzes Team von jungen Burschen. Die Coaching Inns von Dörfern waren damals so im Wettbewerb miteinander dass sie sich manchmal gegenseitig sabotierten, Kutschen im voraus abfingen und den Kunden Gläser mit Sherry und belegte Brote als Werbegeschenke anboten. Diese Informationen stammen allein aus den ersten paar Seiten von Regency Buck. Dazu kommen viele detaillierte Beschreibungen von Sachen die Leute damals an Kleidern, an Essen und an Unterhaltung hatten. Zeitgenössische Dichter wie Byron, Robert Southey und Walter Scott werden erwähnt, Leute wie Lord Nelson, den die junge Judith Taverner natürlich verehrt. Es werden viele historische Begebenheiten erwähnt: So kommt in Regency Buck am Anfang ein öffentlicher Boxkampf zwischen Tom Cribb und Tom Molineaux vor, zu dem 20.000 Zuschauer von fern und nah angereist kommen. Und wenn man solche Dinge nachschaut, stellt sich heraus dass dieser Kampf tatsächlich im Jahr 1811 stattfand, und zwar auch genau in Thistleton. Und dass es in der Gegend auch die römische Ruinen gibt die sich Judith Taverner ansehen will, während ihr junger Hauhdegen von einem Bruder sich so etwas geschmackloses wie einen Boxkampf ansieht. Heute geht solche Recherche mithilfe von Wikipedia relativ schnell, aber Heyer muss sich damals durch Berge von Quellen gearbeitet haben. Und ohne ihre Arbeit wären wir vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen, diese Themen auszuchecken. Darüber hinaus hatte Heyer den Dreh, ähnlich wie Austens Elizabeth Bennet, faszinierende Figuren zu erschaffen. Wir freuen uns über das BBC-Hörspiel, auch wenn es für uns nicht an den Roman heranreicht. Das Hörspiel übernimmt viele 
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The Nativity oratorio 'L’Enfance du Christ' by Berlioz is on BBC radio. It can be listened to online for a week. Link below. There's also the text and a video link for an english version of 'The Shepherds' Farewell to the Holy Family' by the Cambridge Choir. We wish our readers a happy Christmas

Das Oratorium L’Enfance du Christ von Berlioz ist ein Woche lang online. In Deutschland nicht so bekannt wie in England, hier eine der schönsten Passagen, der Abschied der Hirten, auf Englisch vom Cambridge Choir:

The Shepherd’s Farewell

Thou must leave thy lowly dwelling,
The humble crib, the stable bare.
Babe, all mortal babes excelling,
Content our earthly lot to share.
Loving father, Loving mother,
Shelter thee with tender care!
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Blessed Jesus, we implore thee
With humble love and holy fear.
In the land that lies before thee,
Forget not us who linger here!
May the shepherd’s lowly calling,
Ever to thy heart be dear!
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Blest are ye beyond all measure,
Thou happy father, mother mild!
Guard ye well your heav’nly treasure,
The Prince of Peace, The Holy Child!
God go with you, God protect you,
Guide you safely through the wild!
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Die Originalkomposition von Hector Berlioz, die wir nachfolgend verlinken, ist auf Französisch und ebenfalls schön anzuhören, aber wir vermuten dass die meisten Leser besser Englisch können, und vielleicht wird Sie obiges Lied neugierig auf das komplette Oratorium L’Enfance du Christ machen. Es geht darin um die Kindheit von Jesus, und in diesem Sinn wünscht Ihnen die Avenita Redaktion frohe Weihnachten.
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Info  Die komplette Darbietung von L’Enfance du Christ in der BBC-Sendung namens Through the Night . Weitere Videos  Die amerikanische Sopranistin Renée Fleming und der Mainzer Domchor mit der Originalfassung des obigen Hirten-Lieds das auf Französisch L’Adieu des Bergers heißt. Sendung verpasst? Solche Sachen werden öfters mal wiederholt und wir machen im Blog darauf aufmerksam. Die zwei anderen Musik-Links in diesem Blogpost sind permanent auf YouTube abspielbar.
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If the Aliens don't get you, the Hippies will: Ridley Scott came up with a good new chapter of the 'Alien' saga, even managed to slip a Crosby, Stills & Nash classic in there. (Yep, they all sing on the original). The crew knows they have to die to save earth. They make their last song a happy one. Good album too

Wir haben uns gestern ‘Prometheus’ (2012) auf DVD angesehen, und dabei hat uns der Film fast noch besser gefallen als im Kino. Man hat beim zweiten Ansehen zuhause mehr Gelegenheit auf die ganzen Details der Geschichte zu achten. Der Film hat ja, mehr noch als Ridley Scotts Sci-Fi Megaklassiker Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979), eine komplexe fiktive Kosmologie, in diesem Fall von der Entstehung der Menschheit etc. Leser die den Film noch nicht kennen und die sich lieber überraschen lassen wollen, seien gewarnt dass gleich eins, zwei Spoiler folgen. Der Film enthält. gemäß seiner Alien-Thematik, viele horrorhafte Passagen, aber mitten in dem apokalyptischen Geschehen gibt es einen kleinen humorvollen Lichtblick: Es ist das Lied Love the one you’re with. Auf dem Album Stephen Stills (1970), links im Bild, sind David Crosby und Graham Nash mit dabei, und auch in Konzerten wurde das Lied unter dem Banner von Crosby, Stills & Nash gespielt. Es ist also wirklich eine klassische Hippie-Hymne. Auch vom Text her: ‘Wenn du nicht mit dem sein kannst den du liebst, dann liebe einfach den mit dem du bist‘. Darin spiegeln sich die optimistischen und sorglosen 60er und frühen 70er Jahre. Das änderte sich – im Laufe der 80er Jahre bekamen offene Beziehungen eine neue, gefahrenbeladene Dimension. Das Sci-Fi-Genre war bei Hippies übrigens beliebt und öfters auf LP-Covers zu sehen, wie auch auf dem Crosby, Stills & Nash Album Daylight Again (1982). Im Film Prometheus taucht das Lied Love the one you’re with nicht in seiner Originalfassung auf, sondern wird nur zitiert. Erstmal in einer humorvollen, vielleicht etwas klischeehaften Art, als der Captain versucht, einem weiblichen Crew-Mitglied klar zu machen dass man in den einsamen Weiten des Weltraums nicht allzu wählerisch bei der Partnerwahl sein kann. Beim zweiten und letzten Mal, singen die verbleibenden Crew-Mitglieder das Lied als sie wissen dass sie sterben müssen um die Erde zu retten. Einer der besten Momente des Films – denn es ist wirklich keine schlechte Idee, das letzte Lied das man singt, ein frohes Lied sein zu lassen. Wir fanden Prometheus insgesamt gut, sicher einer der besten großen Actionfilme des Jahres. Lesern denen das Sci-Fi und Horror-Genre nicht so recht zusagt, können wir dennoch das Album ‘Stephen Stills’ (1970) empfehlen. Neben Crosby, Stills & Nash sind hier als Gastmusiker auch zwei Gitarristen namens Jimi Hendrix (auf Old Times Good Times) und Eric Clapton (auf dem Lied Go back Home) zu hören. Beide in Topform, wie auch Stills – auf seinem besten Soloalbum.

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Musik-Info  Neben dem Album Stephen Stills (1970) könnten Fans den 4-CD Box-Set Carry On (2013) interessant finden der 50 Jahre Musikkarriere dokumentiert, inkl. 25 unreleased Songs & 113 S. Booklet

Wussten Sie schon? Die rote Giraffe auf dem obigen LP-Cover hat eine Signifikanz: Sie war ein Geschenk von Stills’ ehemaliger Freundin, der Sängerin Rita Coolidge, der Stills das Lied Cherokee auf dem Album gewidmet hatte, (Coolidge war indianischer Herkunft). Sie hatte Stills jedoch für seinen CSN-Bandkumpan Graham Nash verlassen, und die Giraffe war eine Botschaft von Stills, dass er immer noch an sie dachte.

Film-Info  Hier ein deutscher Trailer für den Sci-Fi-Film Prometheus (2012) von Ridley Scott

Mehr von uns über Stephen Stills  Lesen Sie unseren Artikel über eine berühmte Bahnhofsstation die Stephen Stills auf einem Albumcover verewigte.

Avenita Kulturmagazin

 

We found an old postcard of the Dartmoor village Widecombe-in-the-Moor with a mention of the folk song 'Widecombe Fair'. There are many jokey versions, by the King's Singers etc. But we also like how the band Show of Hands has taken the legend and reinvented it as a mournful ballad. Links below

Wir sammeln alte Fotos und Postkarten zu Themen die uns interessieren. Dabei trifft man manchmal auf Verbindungen auf die man ansonsten vielleicht nicht gekommen wäre. Die Karte links ist von dem idyllischen Dorf Widecombe-in-the-Moor in Devon. Das Dorf liegt in Dartmoor und auf der Rückseite der alten Karte steht dass es seine Bekanntheit mitunter dem englischen Volkslied ‘Widecombe Fair’ verdankt. Das hat uns als Folk-Fans natürlich interessiert. In dem Dorf gibt es eine Landwirtschaftsmesse die jährlich viele Besucher anlockt, denn auf dieser jahrhundertealten Messe gibt es neben den zahlreichen Schafen und Dartmoor-Ponys mittlerweile auch viele andere traditionelle Produkte, Handwerke und Spiel- und Sportarten aus der Region zu sehen. Diese Messe heißt Widecombe Fair und das ist auch der Name des Volkslieds. Das Wort fair kommt in vielen englischen Volksliedern vor, man denke an She moved through the Fair oder das weltberühmte Scarborough Fair. Solche Messen waren früher für die Landbevölkerung wichtige Events: Man traf viele Leute, konnte Geld verdienen und es gab Unterhaltung. In dem Lied Widecombe Fair geht es um eine Gruppe von Männern auf dem Weg zu dieser Messe. Das Lied klingt, mit seiner wiederholten Aneinanderreihung von den Namen der Männner auf Anhieb witzig, bekommt aber am Ende eine traurige und sogar geisterhafte Komponente. Die sechsköpfige Truppe hat sich von einem Wirt namens Tom Pierce ein Pferd geliehen um damit nach Widecombe Fair zu kommen. Sie versprechen, das Pferd zwei Tage später zurückzubringen. Als sie nicht wiederkehren, zieht Tom Pierce los und findet heraus dass die jungen Männer das Pferd zu Tode geritten haben. Daraufhin setzt sich Tom auf einen Stein und weint. Der Name Tom Pierce ist übrigens einer von mehreren alternativen Titeln des Lieds. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte, nämlich später als die Männer mittlerweile tot sind, geistert die graue Stute weiter durch die Moore von Dartmoor und ebenso – wie es das Wiederholungsmuster des Liedes bewirkt – die Männer. Wir müssen gestehen dass der joviale Ton der traditionellen Musik von Widecombe Fair für uns nicht zu so gut zu der traurigen Thematik von dem geschundenen Pferd passt. Aber dieser merkwürdige Kontrast kommt bei Volksliedern, die nicht selten von Unglücken und Mord und Totschlag handeln, ziemlich oft vor. Insofern ist die Interpretation von Steeleye Spans Tim Hart ziemlich authentisch. Aber eine Variante des Liedes die uns besser gefällt ist Widdecombe Fair von Show of Hands. Die englische Folk-Band, siehe YouTube Clip, hat das Lied als eine Art Prequel zur alten Version neu erfunden. Ohne das arme Pferd, und mit Musik die gut zu Dartmoors sagenumwobenen Landschaften passt. 
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Ein altes Foto von dem Dorf Chawton in Hampshire wo Jane Austen jahrelang lebte und mehrere ihrer Romane schrieb. Ihr Haus, links vorne, ist heute ein weltbekanntes Museum.

Jane Austen, die englische Autorin von mehrfach verfilmten Romanklassikern wie ‘Stolz und Vorurteil‘ lebte fast acht Jahre lang in dem Dorf Chawton, siehe Foto, in der ländlichen Grafschaft Hampshire. Es waren die letzten acht Jahre ihres Lebens bevor sie im Alter von 41 Jahren starb, aber dennoch eine der glücklichsten Zeiten ihres Lebens. Hier schaffte sie es nach jahrelangem Warten mehrer ihrer Romane zu veröffentlichen, verdiente erstmals Geld mit ihrem Schreiben und erlebte mit dass sich ihre Bücher große Beliebtheit und Anerkennung hatten. Die lesenswerte Biografie Jane Austen. A Life (1997) von Claire Tomalin ist leider nicht auf Deutsch eräáltlich, deshalb entnehmen wir heute an Janes Geburtstag daraus einige Details über den Alltag der Autorin. Jane zog im Sommer 1809 zusammen mit ihrer Schwester Cassandra und ihrer Mutter in das Haus von Chawton ein, begleitet von Janes langjähriger Freundin, der Pfarrestochter Martha Lloyd. Die vier lebten also in einem Frauenhaushalt, bekamen jedoch öfters Besuch von Janes Brüdern und deren Familien. Das Haus lag und liegt heute noch direkt an der Straße, und obwohl Chawton damals mit ca. 60 Einwohner klein war, führte viel Verkehr durch das Dorf. Das damals schon über hundert Jahre alte Backsteinhaus war vorher ein Wirtshaus für Postkutschen gewesen und auch zu Janes Zeiten donnerten dort noch Gespanne mit sechs Pferden vorbei, so laut dass die Betten im oberen Stockwerk wackelten. Aber Jane mochte diese Allgegenwärtigkeit der Außenwelt gerne, sie saß oft am Fenster des Esszimmers und beobachtete die das Dorfleben und die Durchreisenden, während gleichermaßen Passagiere von langsameren Kutschen neugierige Blicke in Jane Haus warfen. Jane schrieb darüber: ‘Unzählige Kutschen mit jungen Mánnern fuhren gestern morgen vorbei – voll mit zukünftigen Helden, Legislatoren, Naaren und Schurken‘. Das klingt recht plausibel, Jane hatte den Dreh, den Lauf der Dinge mit Worten und einer guten Prise trockenem Humor zu porträtieren.

Die Biografie 'Jane Austen. A Life' (1997) von Claire Tomalin. Nur auf Englisch erhältlich. Mittlerweile mit anderem Cover

Die vier Frauen bekamen bei Jobs wie Holzhacken Hilfe von den netten Dorfbewohnern und gaben deren Kindern dafür Unterricht im Lesen. Janes Mutter war über 70 aber rüstig und baute im Garten Kartoffeln an. Das war damals normal, Janes Familie hatte, obwohl Vater George Austen (1731–1805) Pfarrer gewesen war, gleichzeitig einen Familienbauernhof betrieben, Hühner gehabt, Kühe gemolken, Heu geerntet etc. Der gute alte Pfarrer hatte sogar an Pflugwettbewerben teilgenommen. Vielleicht trug dieses ziemlich rustikale Leben dazu bei dass es Janes Brüder eher zu Berufen wie der Königlichen Marine zog. Nach dem Tod des Vaters waren die Frauen der Familie jedoch aufgrund damaligen Erbrechts auf Janes Brüder angewiesen: Das Haus in Chawton gehörte ihrem Bruder Edward. Jane teilte sich mit ihrer Schwester Cassandra ein Schlafzimmer, die beiden waren eng befreundet und Jane las ihr des Abends vorm Schlafengehen Sachen vor die sie gescrieben hatte. Freundin Martha und Janes Mutter hatten jeder ihre eigenen Schlafzimmer. Jane stand morgens immer als Erste auf um Zeit zu haben unten im Haus Piano zu spielen. Dass ihr das viel bedeutete, spiegelt sich in mehreren Pianoszenen in ihren Romanen. Da alle in Chawton Cottage ihrer Schreibtätigkeit wohlwollend gegenüberstanden, war Janes einziger Job, morgens am Kaminfeuer Tee und Frühstücks-Toast für alle zu machen. Außerdem war sie für die Aufbewahrung vom Schlüssel des Weinschranks verantwortlich. Sie hatte also eine überschaubare tägliche Arbeitslast und konnte sich in Chawton erstmals nach vielen Jahren wieder konzentriert dem Schreiben widmen. Und das tat sie: In Chawton Cottage schrieb sie später ihre drei neuen Romane Mansfield Park, Emma und Überredung. Davor jedoch war Jane Austens erste wichtige Arbeit in Chawton, endlich einen Verleger für ihre zwei fertigen aber bisher unveröffentlichten Romane zu finden. Jane hatte schon fast 15 Jahre voher, noch als Teenagerin, mit ihren Romanen ‘Verstand und Gefühl’ und ‘Stolz und Vorurteil’ begonnen. Aber es war damals sehr schwer für Frauen einen Verleger zu finden. Als Frau Bücher zu schreiben galt damals,so bizarr es heute klingt, als
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It's the birthday of Frank Sinatra (1915 -1998). In 1962, fifty years ago, he released five albums, among them 'Sinatra Sings Great Songs from Great Britain', recorded in London. Our favourite of that year though is his superb conspiracy thriller 'The Manchurian Candidate' (1962). Trailer below

Es ist der Geburtstag von Frank Sinatra (1915 – 1998). Im Jahr 1962, vor einem halben Jahrhundert, hatte Sinatra, damals 46, eine Europatournee unternommen und fünf Alben veröffentlicht, darunter Sinatra Sings Great Songs from Great Britain (1962), aufgenommen in London. Das künstlerische Highlight von diesem Jahres ist für uns jedoch der Spielfilm Botschafter der Angst (1962), in dem Sinatra eine der Hauptrollen spielt. Der Film, mit Originaltitel The Manchurian Candidate, ist ein spannender Thriller der von sublimaler Bewusstseinskontrolle und dem Attentat auf einen Präsidentschaftskandidaten handelt. Obwohl im Jahr 2004 ein Remake mit Denzel Washington gedreht wurde, war dieses Thema damals für einen Spielfilm sehr kontrovers. Sinatra kannte JFK persönlich, war mit ihm befreundet und hatte – wie wir dem Buch My Fathers Daughter (2000) von Tina Sinatra entnehmen – Kennedy vor Beginn der Dreharbeiten sogar gefragt ob er ein Problem mit dem Film hätte? Kennedy kannte Richard Condons Romanvolage The Manchurian Candidate (1959) und hatte nicht die geringsten Einwände. Im darauffolgenden Jahr bekam der Film durch das Attentat auf John F. Kennedy (1917-1963) jedoch solch düstere Konnotationen dass er jahrelang nicht gezeigt wurde. Angeblich weil Sinatra die Rechte aufkaufte und den Film aus dem Verkehr zog, obwohl diese Darstellung umstritten ist, in der Tat später von Frank Sinatra bestritten wurde. Tatsache ist dass Sinatra den Film
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The Mousetrap: Agatha Christie's theatre play started 1952 with Richard Attenborough. For the 60th anniversary in 2012, there was a special performance with Patrick Stewart, Hugh Bonneville, Julie Walters and other stars. What a classic. We checked what Christie writes about it in her autobiography

Agatha Christies Theaterklassiker ‘The Mousetrap‘ ist 60 Jahre alt und läuft immer noch. Es begann 1952 mit Stars wie Richard Attenborough und zum diesjährigen 60. Jubiläum gab es eine spezielle Aufführung mit Patrick Stewart, Julie Walters und dem Downton Abbey Schauspieler Hugh Bonneville. Die Mausefalle, so der deutsche Name, ist ein starkes Whodunnit mit einem sehr überraschenden Ende. Hier sind klassische Agatha Christie Elemente wie das junge Ehepaar in ihrem abgelegenen Gasthaus auf dem Lande, eine Reihe von Gästen die eintrudeln während draußen eine Schneesturm tobt und dafür sorgt dass das Mordopfer und die Verdächtigen prächtig eingeschlossen sind. Bei Agatha Christie gibt es typischerweise auch Verbindungen zu düsteren Begebenheiten in der Vergangenheit die durch den Fall ans Licht kommen. Das Stück ist ein Tipp für Krimi-Fans die London besuchen, es wird acht mal pro Woche im St Martin’s Theatre in Londons West End aufgeführt. Nach jeder Vorstellung, und es sind mittlerweile über 25.000, wird man gebeten, die Auflösung nicht weiterzuerzählen. Daran scheinen sich Leute weitgehend zu halten, obwohl wir einmal in den 80er Jahren in irgendeiner punkigen Musikzeitschrift tatsächlich mal lasen wer’s war und seitdem nie wieder vergessen konnten. Never mind the Spaßverderber! Das Stück funktioniert auch so, denn es ist clever konstruiert und manch einer schaut es sich mehrmals an. Im Wiki-Eintrag steht, im Namen der Wissenschaft, übrigens auch die Lösung.  Wir lasen in Christies Autobiografie dass sie damals einen Anruf vom BBC bekam und gefragt wurde ob sie ein kurzes Radiohörspiel schreiben könnte. Es ging um ein Programm das mit Queen Mary, also Maria von Teck, der Großmutter von Queen Elizabeth II. zu tun hatte. Queen Mary mochte die Krimi-Autorin und hatte sich etwas von ihr gewünscht. Es bestand allerdings Zeitdruck und Christie schrieb nur einen 20 Minuten langen Radiosketch namens Three Blind Mice. Der Name bezieht 
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The Hatter (1865) by John Tenniel: Is there a link between Victorian art & literature and the alternative culture of the 60's and 70's? Maybe a sense that there was something weird, wonderful and slightly wrong abour the times they lived in

Im englischen Guardian gab es gerade eine Umfrage unter Schriftstellern, was ihre Lieblingskünstler für Bücherillustrationen seien? Auf solchen Listen taucht oft Sir John Tenniel auf der durch seine Zeichnungen für Alice im Wunderland (1865) berühmt wurde. Sein Bild vom Verrückten Hutmacher, links zu sehen, ist auch in Deutschland ziemlich bekannt, möglicherweise am bekanntesten dadurch dass die Figur tausendfach von Fans der Band Genesis auf deren Schallplatten gesehen wurde. Siehe unteres Foto. Genesis und der Designer Paul Whitehead schmückten Tenniels Hutmacher farblich etwas aus, setzten ihn in die Mitte von einigen bahnbrechenden Progrock LPs und machten aus der Figur erneut eine Ikone der Popkultur. Wir finden es bemerkenswert wie Geschichten und Figuren des 19. Jahrhunderts fast genau 100 Jahre später wieder aufgegriffen wurden. Auf Anhieb scheint die alternative Kultur der 60er and 70er Jahre, und dazu gehörten Genesis damals, nicht viel mit den Zeiten von Königin Victoria gemeinsam zu haben. Aber das gesamte LP-Cover und mehrere Liederstellen des Albums Nursery Cryme (1971) haben einen Bezug zu Victorias Epoche. Das sehr progrockige, musikalisch gewöhnungsbedürftige Lied The Return of the Giant Hogweed (YouTube Clip) erinnert an Horrorszenarien von H. G. Wells: Hier geht es um einen viktorianischen Forscher der aus dem russischen Marschland eine Pflanze nach England einführt die sich aus den königlichen Botanischen Gärten von Kew ausbreitet und bald ganz London im Griff hat. Hier ein Ausschnit vom Originaltext:

‘…Long ago in the russian hills, A victorian explorer found the regal hogweed by a marsh, He captured it and brought it home…Fashionable country gentlemen had some cultivated wild gardens, In which they innocently planted the giant hogweed throughout the land….’

It's certainly interesting how a hundred years after books like 'Alice's Adventures in Wonderland' (1865) Victorian imagery turns up again in the lyrics and artwork of Avant-garde rock albums by Genesis, for example 'Nursery Cryme' (1971)

Genesis waren keineswegs die einzigen die damals visuell und inhaltlich an Stoffe aus Viktorianischen Zeiten anknüpften. Auch andere Bands, wie Yes und Grateful Dead, verwendeten für ihre Poster und LP-Cover künstlerische Elemente des 19. Jahrhunderts. Literarische Themen, wie Alice’s Adventures in Wonderland, wurden sogar direkt in Liedertexten verwendet, wie in Jefferson Airplanes Rockklassiker White Rabbit, in dem mehrere Figuren der Geschichte namentlich erwähnt werden. Aber welche konkrete Verbindung könnten Hippies und Pop Art Designer der 1960er Jahre mit den 1860er Jahren, den Zeiten von Autoren wie Lewis Carroll, Charles Dickens und George Eliot haben? Für unsere Begriffe hat es etwas mit dem Entstehen von neuen Perspektiven zu tun. Zu beiden Zeiten, um die Mitte des 19. so wie etwa um die Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Philiosophen, Künstler und Schriftsteller verstärkt über ihren persönlichen Horizont und über den gesellschaftlichen Status Quo hinauszusehen und hinauszudenken. Vielleicht auch weil sich zu diesen Zeiten eine Mittelklasse entwickelt hatte, der es finanziell überhaupt möglich war, sich mit irgendetwas anderem zu beschäftigen als dem wirtschaftlichen Überlebenskampf. Der erweiterte ‘Blick nach Außen’ eröffnete ein Bewusstsein fúr soziale Probleme, etwas das sicherlich auf Dickens und Eliot zutrifft. Und der erweiterte ‘Blick nach Innen’ eröffnete Fantasiewelten jenseits der Konventionen, etwas das zweifellos auf Lewis Carroll und Alice im Wunderland (1865) zutrifft. Auch in der alternativen Kultur der 1960er fand eine Erweiterung der Perspektiven statt, Aus einer verstärtken Introspektion entstanden zum Teil Psychedelia und der New Age Boom. Und ein erhöhtes Interesse an landes- und weltweitem Geschehen führte zu gesellschaftlichen Veränderungen, wie den Protesten gegen den Vietnamkrieg, und vielem mehr. Kunst und Literatur reflektieren die Zeiten in denen sie entstehen. In der Figur des Hutmachers,
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August Rush (2007) is one of best films about music we've seen. Featuring, among others, songs by Van Morrison and the Avant-garde guitarist Michael Hedges. Also Gospel music, pieces by Elgar, Bach and Beethoven. New York's Juilliard School for music plays a role. And some nice Gibson guitars.

Wenn Sie für die Weihnachtstage einen Spielfilm suchen den sich die ganze Familie ansehen kann, der aber gleichzeitig nicht altmodisch oder klischeehaft ist, empfehlen wir August Rush (2007). Der Film, der auf Deutsch als ‘Der Klang des Herzens’ veröffentlicht wurde, hat eine starke Musikthematik. Wobei hier nicht die kinoüblichen Rock- und Pop-Hits eingesetzt sondern Stücke von Van Morrison und dem Avantgarde-Gitarristen Michael Hedges. Auch klassische Kompositionen von Elgar, Bach und Beethoven kommen vor. Und auch Gospelmusik ist dabei. Die verschiedenen Genres werden hier jedoch nicht als reine Hintergrundmusik verwendet, sondern haben einen spezifischen Bezug zur Geschichte. Es geht um einen Jungen namens Evan der in einem Kinderheim aufgewachsen ist. Seine Mutter Lyla, eine junge klassische Musikern, lebt in dem Glauben dass ihr Sohn bei der Geburt starb
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You get lemons in Andalusia all year, but they seem to be blossoming in a big way now. Old farmer said it's 'un poco loco': A bit crazy. Never mind, we got pretty good weather again, yesterday 15°C, and a good excuse to play Zeppelin

Schon Dezember, unglaublich wie die Zeit vergeht. Aber wir haben wieder ganz gutes Wetter, gestern 15°C am frühen Nachmittag. Zitronen gibt es Andalusien das ganze Jahr hindurch, aber die Bäume blühen momentan besonders kräftig. Wir fragten einen alten andalusischen Bauern und der sagte die Bäume spielen dieses Jahr un poco loco, also etwas verrückt. Wir hatten den Großteil des Jahres so gut wie keinen Regen, aber dann war der November auf einmal verdammt nass. Um so besser also dass in den letzten Tagen die Sonne wieder scheint und der Himmel dieses satte, tiefe andalusische Blau hat, das wie ein Gemälde aussieht. Wir sind gestern am Sonntag mit den Kindern zu einer Siedlung gefahren wo es viele Straßen und Bürgersteige gibt und kaum Autos, was in Kombination mit langen, sanften Abhängen, gut zum Skateboard fahren lernen ist. Für den elterlichen Begleiter zudem insofern nützlich das man gemütlich nebenher fahren und dabei Musik hören kann. Dafür spielt man halt den Taxifahrer, fährt immer mal wieder den Berg hoch und verkündet Weisheiten wie: Bleibt schön auf dem Bürgersteig, ich fahr voraus und schau ob vielleicht doch jemand hochkommt. Wir hörten etwas Led Zeppelin, sahen von der Anhöhe hinunter aufs Meer und auf die Bäume, unten an einem ausgetrockneten Flussbett wo wir vor ein paar Tagen das Zitronen-Foto gemacht hatten. Und auf einmal erschien die Welt wie ein freundlicher Ort. Spanien ist übrigens bei weitem der größte Zitronen-Produzent Europas. Es ist kaum zu glauben, wie diese oftmals kaum mehr als mannshohen Bäume mit einem Stamm von der Dicke eines Oberarms säckeweise Zitonen produzieren, vielleicht 100 bis 150 Kilo. Mutter Natur hat wirklich einige unergründliche Tricks auf Lager. Man benutzt Zitronen hier vielleicht auch etwas mehr, jedenfalls in Andalusien: Durch die Lage am Mittelmeer gibt es hier immer noch viel frischen und relativ preisgünstigen Fisch, auch in Restaurants. Und kaum etwas passt so gut zu frisch gebratenem oder gegrilltem Fisch wie eine kräftige Portion Zitronensaft, direkt aus einer Fruchthälfte über dem Teller ausgedrückt. Ein Essen das wir dabei besonders mögen, sind Boquerones fritos, das sind kleine Sardinen, von denen es hier, anhand des günstigen Preises, immer noch viele zu geben scheint. Dazu ein Glas Tinto de verano, übrigens auch mit einem Stück Zitrone, und man erlangt die jahrtausendealte Erkenntnis dass die einfachen Dinge im Leben die besten sind. Und dass man dort essen sollte wo einheimische Otto-Normalverbraucher hingehen. Was das Led Zeppelin-Lied The Lemon Song angeht. sind hier fetzige, dichte Gitarren-Sounds von Jimmy Page und die markante Overdrive-Stimme von Robert Plant reichlich vorhanden, obwohl wir in diesem Fall die Originalversion von Howlin’ Wolf, hier ein Clip, fast noch besser finden. Das Lied hat einen anderen
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